Auch wenn die beispiellose Absatzkrise der Autobauer viele Gewissheiten der Branche längst über den Haufen geworfen hat, an einem Grundsatz schien sich die Industrie noch festhalten zu können: dass jene Hersteller gegen die Turbulenzen gewappnet sind, die dank einer vorausschauenden Modellpolitik ausreichend spritsparende Autos in ihrer Palette haben.
Auch deshalb ist die Wucht der katastrophalen Zahlen, die der weltgrößte Autobauer
Toyota am Montag einräumen musste, derart gewaltig. Die Japaner sind nicht nur ein Vorbild an Kosteneffizienz für die gesamte Branche. Sie gelten auch als ökologischer Vorreiter, der die Notwendigkeit alternativer Antriebe früh erkannt hat und seinen Konkurrenten deshalb weit voraus ist. Wenn selbst der Chef des Branchenprimus seinen Konzern in einer noch nie da gewesenen Notlage sieht, löst er damit weitaus heftigere Schockwellen aus, als wenn marode US-Hersteller mit einer Modellpalette von vorgestern in Washington um staatliche Rettungsmilliarden betteln müssen.
Tatsache ist nur: Wer auch immer geglaubt hat, die richtige Modellpolitik könne die Unternehmen vor der Krise schützen, ist einem Märchen aufgesessen. Die Automärkte gehören immer zu den ersten Opfern einer Rezession, weil die Verbraucher die Anschaffung eines Neuwagens in unsicheren Zeiten eher zurückstellen können als den Kauf vieler anderer Produkte. Daran ändert sich auch dann nichts, wenn ein Anbieter mit sparsamen Modellen werben kann, die bei höheren Öl- und Spritpreisen günstigere Betriebskosten versprechen.
Hinzu kommt, dass Hybridautos wie der Toyota Prius aufgrund hoher Entwicklungskosten derzeit weitaus teurer sind als vergleichbare Modelle mit herkömmlichem Antrieb. Gerade in einer schweren Wirtschaftskrise überlegen sich viele Käufer, ob sie bereit sind, bis zu 3000 Euro mehr für ein Auto hinzulegen - zumal wenn der Ölpreis wie zuletzt massiv fällt. In den rezessionsgeplagten USA, Toyotas wichtigstem Markt, reichte selbst eine großzügige steuerliche Förderung nicht aus, um die Absatzziele für den Prius zu erreichen.
Die unheilvolle Botschaft für die Branche lautet deshalb: Alle Autohersteller, denen im Gegensatz zu Toyota die nötige Finanzkraft fehlt, drohen ohne Staatshilfe im Strudel dieser historischen Krise unterzugehen - ob sie sich bereits einen grünen Anstrich gegeben haben oder nicht.