Der Weltuntergang von heute interessiert die meisten Menschen mehr als die Apokalypse von morgen. Nach dieser einfachen Formel hat die Wirtschaftskrise die drohende Klimakatastrophe in der Wahrnehmung von Politik und Öffentlichkeit verdrängt.
Um so überraschender kommt die Initiative mehrerer Dax-Konzerne, die in großem Umfang Solarstrom in Afrika produzieren und nach Europa leiten wollen. Das klingt utopisch, ist es aber nicht. Die Technik steht mittlerweile bereit. Und vieles spricht dafür, dass die Initiative das richtige Projekt zur richtigen Zeit ist.
Natürlich ist es nicht in erster Linie das ökologische Gewissen, das die Konzerne leitet. Selbst die Hoffnung auf einen Imagegewinn dürfte nicht ausschlaggebend sein, auch wenn ein grüner Anstrich etwa dem Kohlestromkonzern RWE oder dem AKW-Bauer Siemens gerade recht kommt.
Das Projekt sendet dadurch aber ein umso stärkeres Signal: Investitionen in nachhaltige Energien sind nicht mehr nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll. Die potenziellen Partner sind überzeugt, dass sie mit großen Solarkraftwerken in stark sonnenbestrahlten Regionen in absehbarer Zeit zu konkurrenzfähigen Kosten Strom produzieren können. Das ist gerade in der Krise ein Hoffnungszeichen. Denn sie droht dazu zu führen, dass jetzt nicht weiter in Zukunftstechnologien investiert wird - auch wenn das fahrlässig wäre.
Klar ist aber auch, dass ein solches Projekt nur mit breiter politischer Unterstützung gelingen kann. Die Kosten der Solarstromerzeugung liegen selbst bei optimistischer Schätzung noch über denen des Kohlestroms. Die Investoren müssen daher zumindest in der Anlaufphase auf Einspeisevergütungen bauen können.
Noch wichtiger ist die politische Abstimmung auf internationaler Ebene. Die Produktionsstandorte für solarthermische Kraftwerke, die Sonnenenergie im industriellen Maßstab nutzen, liegen in einer politisch unruhigen Region. Hier ist die EU gefragt, um mit den beteiligten Staaten Abkommen auszuhandeln, die das höchstmögliche Maß an Energiesicherheit garantieren. Sie kann die Staaten zum Beispiel an den Vorteilen der Solarkraftwerke beteiligen, indem sie ihnen Anteile an der Stromproduktion zusichert. Ähnliches gilt für die Achillesferse des Projekts, den Stromtransport. Um den Solarstrom aus der Wüste nach Europa zu befördern, sind riesige Leitungsnetze nötig, die ebenfalls teilweise durch instabile Länder verlaufen würden.
Doch das ist kein Grund, dem Projekt von vornherein die Realisierungschancen abzusprechen. Schließlich sind die Lieferwege für Gas und Öl nicht minder anfällig - wie der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine jeden Winter aufs Neue beweist. Im Gegenteil: Investitionen in Wüstenstrom könnten nicht nur die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verringern, sie würden auch das Versorgungsrisiko geografisch breiter streuen als bisher.