Es ist ein Coup, in dem Nostalgiker mit etwas Fantasie eine Zeitenwende sehen könnten - eine Rückkehr zu guten alten Tagen. Wo alle Welt nach dem Staat als Retter ruft und der Markt in Misskredit geraten ist, passt das doch schön ins Bild.
Die Geschichte von den netten Kommunen, die sich gegen die großen Konzerne stellen und der Wirtschaft wieder ein irgendwie sozialeres Antlitz verleihen, hat nur einen Haken: Es waren die Stadtwerke, die mit ihrem Monopol auf die Energieversorgung einst nach Belieben die Preise erhöhten und die kommunalen Kassen auf Kosten der Privathaushalte füllten. Die Privatisierung hat den Verbrauchern eindeutig genützt.
Dem Rückkauf der
Thüga durch die Stadtwerke wohnt also kein sozialromantischer Zauber inne, und er bringt auch keine Basisdemokratie in den Strommarkt. Man kann davon ausgehen, dass
die neuen kommunalen Besitzer (die zu einem Großteil die alten sind) wie alle anderen Marktteilnehmer auftreten werden, und das ist auch völlig in Ordnung.
Für die Verbraucher ist die Gründung des Stadtwerkeverbunds aus einem anderen Grund eine gute Nachricht: Als eigenständige Gesellschaft wird die Thüga genügend Gewicht haben, um
den vier anderen großen Playern
Eon ,
Vattenfall ,
EnBW und
RWE zumindest ein wenig Konkurrenz zu machen. Die Größe des neuen Stadtwerkeverbunds reicht aller Voraussicht nach aus, um den Bau eigener Kraftwerke zu finanzieren und sich vor Kaufgelüsten der vier Riesen zu schützen.
In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass allein die Öffnung des Marktes für neue Anbieter den Wettbewerb nicht wesentlich verschärft hat. Erfolgreiche Nischenproduzenten wurden häufig schlicht geschluckt - siehe Yellow, das heute zu EnBW gehört.
Allzu viel Euphorie wäre aber auch beim Thema Wettbewerb unangebracht. Als Preisbrecher wird die Thüga kaum auftreten. Dafür hängt der Strompreis nach wie vor zu stark von den Nutzungsgebühren der Stromnetzbetreiber ab. Und mit fünf ist die Zahl der Spieler im Markt noch immer äußerst gering. Aber immerhin höher als vier.