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Merken   Drucken   02.08.2009, 18:55 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Ethikfonds - Geld oder Gewissen  

Ein gutes Gewissen gibt es nicht an der Börse zu kaufen. Anleger sollten sich eingestehen, dass sie vor allem eines wollen: Geld verdienen.
Es klingt so schön: Rendite mit gutem Gewissen. Nach diesem Motto werben die Anbieter ethischer oder ökologischer Investmentfonds. Geldverdienen, ohne sich die Hände schmutzig zu machen. Doch wie schwer es ist, solche Vorgaben durchzuhalten, zeigt der Fall der katholischen Pax-Bank. Die hat das Geld ihrer Kunden unter anderem bei zwei Tabakkonzernen, einem Hersteller von Verhütungspillen und einem Rüstungsunternehmen angelegt.
Dass dies gegen die eigenen Anlageprinzipien verstößt, liegt auf der Hand. Doch die öffentliche Empörung darüber ist übertrieben. Tatsächlich zeigt der Fall besonders plakativ die Schwächen ethischer Investmentkonzepte.
In der Regel funktionieren diese Konzepte auf zwei Arten: entweder über Ausschlusskriterien oder über sogenannte Best-in-Class-Ansätze. Bei den Ausschlusskriterien sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt: Sie können von Waffenhandel über Glücksspiel, Gentechnik, Tabak oder Alkohol bis zu ökologischen Kriterien reichen. Doch schon hier wird es schwammig, weil ausgesucht werden muss, wer die Umwelt stark und wer sie weniger stark verpestet.
Auch die Annahme, dass ein Pharmakonzern, der Verhütungsmittel herstellt, der Welt nur Schlechtes bringt, ist zumindest fragwürdig. Wer zu viele Auswahlkriterien aufstellt und diese wirklich ernst nimmt, läuft zudem Gefahr, kein vernünftiges Portfolio aufstellen zu können. Mit diesem Problem hatte offenbar auch die Pax-Bank zu kämpfen.
Noch problematischer ist der Best-in-Class-Ansatz. Hier dürfen Anleger zum Beispiel Aktien von Atom- oder Kohlestromkonzernen kaufen, solange diese nur weniger schmutzig sind als andere Energiekonzerne. Das daraus resultierende gute Gewissen kann folglich auch nur ein relativ gutes sein.
Es hilft nichts: Wer Geld verdienen will, muss dazu stehen. Umweltschutz und Ethik mögen noble Ziele sein. Doch es gibt bessere Wege, sie zu fördern, als Investmentfonds. Das gute Gewissen gibt es jedenfalls nicht an der Börse zu kaufen.
  • Aus der FTD vom 03.08.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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