In dieses hoffnungsselige Maikonzert setzte am Donnerstag die Europäische Zentralbank (EZB) ein - mit einem Paukenschlag. Dass die Notenbanker den Leitzins abermals senken - behutsam um 25 Basispunkte auf 1,0 Prozent -, war zwar allgemein erwartet worden. Dass die EZB die Kreditinstitute über längere Zeiträume als bisher mit Liquidität versorgt, stand als Möglichkeit ebenfalls im Raum. Der eigentliche Knaller jedoch ist Maßnahme Nummer drei: Für rund 60 Mrd. Euro will die EZB Covered Bonds aufkaufen, um die Liquidität an den Finanzmärkten zu erhöhen.
Der Einsatz der Frankfurter kommt spät, die US-Notenbank Fed und die Bank of England betreiben den Aufkauf von Anleihen bereits seit einiger Zeit. Zum allgemein aufkeimenden Optimismus mag die Aktion zudem nicht recht passen. Sie nährt Ängste, ihre Wirkung könnte erst dann in vollem Maße eintreten, wenn es mit der Wirtschaft ohnehin wieder bergauf geht. Inflationspropheten wie Finanzminister Peer Steinbrück sähen sich in ihrer Einschätzung bestätigt, eine allzu expansive Fiskal- und Geldpolitik führe im Falle eines raschen Aufschwungs zu dramatischen Preissteigerungssraten.
Solche Bedenken sind zurzeit kaum angebracht. Die Entscheidung der EZB war richtig - und besonnen: Zinssenkung und Ausweitung der Refinanzierungsgeschäfte dienen vorrangig der Stabilisierung des Bankensystems, das nach wie vor in einem schlechten Zustand ist. Und auch der Kauf von Pfandbriefen dürfte vor allem psychologische Wirkung entfalten - zumal er geldmengenneutral durch den Verkauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren finanziert wird.
Von einem "Anwerfen der Notenpresse" kann also keine Rede sein. Sollte der Abschwung tatsächlich zum Jahresende hin gebremst sein, bleibt die Inflationsgefahr begrenzt. Setzt sich die Talfahrt dagegen fort, hat die EZB noch einige Instrumente im Schrank, die sie zum Einsatz bringen kann.