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  FTD-Serie: Analyse des Desasters

Was gestern vor einer Woche noch unvorstellbar war, ist heute Wirklichkeit: Investmentbanken implodieren, die US-Regierung verstaatlicht mit Hilfe der Fed den größten US-Versicherer und der deutsche Einlagensicherungsfonds scheint auch nicht mehr so sicher wie geglaubt. FTD.de analysiert und kommentiert die unglaublichen Vorgänge.

Merken   Drucken   06.10.2008, 10:15 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Finanzkrise - Angst in den Köpfen  

Es ist in der EU üblich geworden, Irland als eine Art bösen Buben zu betrachten, der sich in allen wichtigen Fragen querstellt. Schon beim Referendum zum Reformvertrag handelten sich die Iren massiven Zorn ein, weil sie sich weigerten zuzustimmen.
Am Wochenende traf die Insel auch in der zunehmend auf Europa übergreifenden Finanzkrise zunächst der Bannstrahl der Partnerländer. Dublin hatte, zum Missfallen der großen EU-Staaten, eine Staatsgarantie für alle Einlagen der heimischen Banken bis 2010 abgegeben. Seit Sonntagnachmittag ist das kleine Land nicht mehr isoliert. Die deutsche Bundesregierung hat eine Garantie in Höhe von fast 600 Mrd. Euro für private Spareinlagen in Aussicht gestellt.
Irland - und jetzt auch Deutschland - haben erkannt, wie ernst die Krise inzwischen ist. Auf den Finanzmärkten greift die Angst um sich, und Angst kann rasch in Panik umschlagen. Wer in diesen Tagen den Fernseher einschaltet, stößt auf Werbeeinblendungen, in denen er gefragt wird: "Lebt Ihre Bank noch?", verbunden mit dem Hinweis, wo das Geld in Sicherheit zu bringen sei.
Vom Boulevard bis zu den großen Tageszeitungen beherrscht die Furcht vor einem Verlust der eigenen Ersparnisse die Titelseiten. Die Krise gelangt so mit Macht in die Köpfe der Menschen. Das schlimmste Szenario ist daher nicht mehr auszuschließen: ein "Bank-Run", ein Sturm auf die Konten der Geldinstitute. Seit dem Zweiten Weltkrieg schien ein solcher Vertrauensverlust in Deutschland nicht mehr denkbar. Doch die Gefahr ist äußerst real.
Zusage der EU am Sparer nötig
Wer dieses Risiko beseitigen will, muss der wachsenden Angst begegnen. Die EU-Staaten sollten europaweit eine Bürgschaft für die Spareinlagen ihrer Bürger abgeben. Wenn sich, wie es bislang aussieht, weiterhin nur einzelne Staaten so weit vorwagen, besteht die Gefahr, dass die EU-Kommission einschreitet. Doch noch zögern die Regierungen: Statt eine gemeinsame Lösung zu entwickeln, einigten sich die europäischen Spitzenpolitiker am Wochenende auf das Prinzip, weiterhin nur dann einzugreifen, wenn akute Gefahr besteht. Jedes Land solle seine Banken "mit eigenen Mitteln" schützen, ganz so, als gebe es in der EU keine miteinander verflochtenen Finanzmärkte. Wer so handelt, hat offenkundig noch nicht verstanden, welcher Abgrund sich gerade vor der Gemeinschaft auftut.
  • Aus der FTD vom 06.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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