Erst Obamania, dann Kaukasuskrieg und Palin-Faktor - und jetzt also der Crash. Die größte Finanzkrise seit der Großen Depression läutet eine neue Phase im US-Wahlkampf ein und relativiert alle bisherigen Punktsiege der beiden Kandidaten. Wer am Ende von dem allgemeinen Gefühl der Bedrohung profitiert, ist indes noch völlig offen.
Es liegt nahe, aus den Umfragewerten zu folgern, dass die erste Runde an den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama geht. Wenn das Volk über die Gier abgehobener Banker schäumt, für die der Steuerzahler die Zeche zahlt, kommen Kapitalismuskritik und Bush-Schelte gut an. Das Versprechen, die Nöte des kleinen Mannes nicht zu vergessen, ebenfalls.
Diese erste Runde sagt aber nur wenig darüber aus, wie die Schlacht um das Meinungsbild bis zur Wahl verlaufen wird. Ihr Ausgang hängt zu großen Teilen davon ab, wie sich die Krise weiterentwickelt. Dabei ist noch unklar, wie genau der Rettungsplan des US-Finanzministers ausgestaltet wird. Es ist absehbar, dass rund um die Details noch politische Schlammschlachten ausgefochten werden.
Zu wenig Ahnung
Eines steht aber fest: Keiner der Kandidaten verfügt über solide Finanzexpertise, keiner hat in der Krise bislang eine gute Figur gemacht. Obama nicht, der kaum Stellung bezogen hat. Und McCain nicht, der zwar Stellung bezogen hat - aber mal für, mal gegen den Kurs des Finanzministers. Eine Strategie, die Kompetenz oder Verlässlichkeit vermittelt, sieht anders aus.
Auf überzeugende, pragmatische Rezepte der Kandidaten werden die Bürger vergeblich warten. Denn keiner wird mit dem Einzug ins Weiße Haus seine bisherigen Wahlversprechen umsetzen können. Dazu fehlt jetzt das Geld. Aber das im Wahlkampf auszusprechen wäre politischer Selbstmord.