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Merken   Drucken   16.03.2008, 20:34 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Finanzkrise - In der Angstfalle  

Im vergangenen Juli war es der Zusammenbruch zweier Hedge-Fonds der US-Investmentbank Bear Stearns, der die Furcht vor einer ernsten Finanzkrise mit ausgelöst hat. Jetzt jagt Bear Stearns erneut Schockwellen durch das globale Finanzsystem.
Nur eine Stützungsaktion der US-Notenbank Fed konnte in letzter Sekunde verhindern, dass die Krise die fünftgrößte amerikanische Investmentbank verschlingt.
Niemand weiß, welche bösen Überraschungen die schwerste Finanzkrise seit Jahrzehnten noch bereithält. Doch allein die Befürchtung, dass alles noch schlimmer kommt, genügt derzeit, um die Akteure an den Märkten in Panik zu versetzen. Auch die Beinahepleite von Bear Stearns beruht zu einem großen Teil auf Gerüchten. Wilde Spekulationen über eine dramatisch verschlechterte Finanzlage und den bevorstehenden Crash führten dazu, dass die Bank keine Kredite mehr bekam, um ihr Geschäft aufrechterhalten zu können.
Der Fall Bear Stearns ist ein gutes Beispiel dafür, dass es in dieser Krise längst nicht mehr um nüchterne Zahlen geht. Die Psychologie ist zu einem entscheidenden Faktor geworden, der die Turbulenzen gefährlich verschärft. Angesichts immer neuer Horrornachrichten schaltet die Angst vor dem nächsten GAU bei vielen Investoren die Vernunft aus. Das Worst-Case-Szenario wird zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.
Die Marktteilnehmer stecken derart tief in der Angstfalle, dass auch positive Nachrichten nichts Grundlegendes daran ändern können. Die aggressiven Zinssenkungen der Fed sind ebenso verpufft wie ihre riesigen Liquiditätsspritzen. Auch konzertierte Aktionen der wichtigsten Zentralbanken verfehlen ihr Ziel, die Kapitalausstattung der Banken zu stärken und so die Gefahr einer Kreditknappheit einzudämmen.
Es wird immer klarer, dass die Geldpolitik, allen voran die Fed, nur an den Symptomen dieser Krise herumdoktert - zumal es hier nicht nur um ein US-Problem geht. Für die Amerikaner aber steht inzwischen alles auf dem Spiel: Sie müssen fürchten, dass sich die Krise ihres Finanzsystems zu einer allgemeinen Vertrauenskrise auswächst, die Investoren aus dem Land und seiner gefährlich schwachen Währung treibt.
Das alles lässt für die US-Regierung nur einen Schluss zu: Sie muss einsehen, dass es ohne ihr Eingreifen keinen Ausweg aus der Panikfalle gibt. Zwar ist es aus ordnungspolitischer Sicht bedenklich, wenn der Staat nun verantwortungslosen Kreditgebern und Spekulanten zu Hilfe eilt, indem er massiv Problemkredite aufkauft. Nur auf diese Weise lässt sich aber verhindern, dass das System kollabiert.
Die US-Regierung hat die Wahl zwischen zwei Übeln. Die Vernunft gebietet es, sich für das kleinere zu entscheiden.
  • Aus der FTD vom 17.03.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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