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Merken   Drucken   29.05.2008, 20:11 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Finanzkrise - Worte ohne Wert  

Josef Ackermann sieht in der Finanzkrise nicht nur Licht am Ende des Tunnels - nach Ansicht des Chefs der Deutschen Bank hat das Ende der Krise schon begonnen. Diese Aussage lässt aufhorchen, zumal sie sich in die vorsichtig optimistischen Ausblicke anderer Bankchefs einreiht.
Doch solange sich die Entwarnungen aus den Chefetagen auf Rhetorik beschränken, gibt es keinen Grund zur Beruhigung. Richtig ist, dass sich in der Finanzbranche ein verbaler Stimmungsumschwung feststellen lässt. Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller sieht die Bodenbildung auf den Märkten erreicht, die US-Investmentbank JP Morgan Chase glaubt die Kreditkrise bereits zur Hälfte überstanden. Wenn dem tatsächlich so ist, wäre es jetzt an der Zeit, sich mit Prognosen für das Geschäftsjahr aus der Deckung zu wagen. Diesen Schritt scheuen aber Ackermann wie Müller, die britischen wie die US-Banken.
Bevor die Deutsche Bank im ersten Quartal ins Minus rutschte, ging Ackermann mit Zielvorgaben noch viel freigebiger um - nicht zuletzt, weil die Subprime-Krise die Bank weniger hart getroffen hatte als die Konkurrenz. Die aktuellen Verluste zeigen dagegen, dass auch Deutschlands größtes Institut vor den Folgen der Krise nicht gefeit ist. Das gesunkene Vertrauen in die Finanzbranche, die sich verlangsamende Konjunktur und ein Einbruch im Investmentbanking belasten auch die Deutsche Bank.
Vor diesem Hintergrund wäre es unseriös, präzise Prognosen zu liefern - zumal sich erste Hoffnungen auf ein Ende der Finanzkrise im Frühjahr zerschlagen hatten. Wie groß die Verunsicherung in der Branche weiterhin ist, zeigt auch das anhaltende Misstrauen zwischen den Banken, sich gegenseitig Geld zu leihen.
Die Scheu der Banken vor Prognosen ist verständlich. Nur können sie sich dann auch ihre starken Worte sparen.
  • Aus der FTD vom 30.05.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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