Ein Fischer, der Oppositionspolitiker, die sich so redlich mühten, mit seiner schnoddrigen Schlagfertigkeit aussehen ließ wie blasse Staatsdiener.
Es war der alte Fischer. Aber seine Show spielte im falschen Theater. Im Visa-Ausschuss war der Außenminister als Zeuge geladen, doch tatsächlich ging es dort um die Frage, inwieweit er selbst Schuld an der massenhaften Schleuserkriminalität trägt. Unter diesem Blickwinkel überzeugte Fischer nicht. Hätte er ein Schachspiel inszeniert, vielleicht mit waghalsigen Zügen und Finten, hätte er den Fernsehzuschauer auf seine Seite ziehen können. Stattdessen trat der grüne Übervater als Boxer in den Ring. Fischer tänzelte, verkrallte sich im Infight, versuchte, dem Gegner die Rechte ins Gesicht zu hauen. "Schreiben Sie rein: Fischer ist schuld", raunzte er den Ausschussvorsitzenden Hans-Peter Uhl an, als der einmal zu lange insistierte. Eine scheinbar große Geste, die den Gegner als kleingeistigen Kläffer entlarven sollte.
Den Zeitpunkt für die große Geste aber hat Fischer verpasst. Und Details blieb er schuldig. Fischer wich aus, wahlweise indem er Fragen ignorierte oder Erinnerungslücken geltend machte. So war ihm angeblich nicht einmal mehr präsent, wie der Konflikt mit Innenminister Otto Schily über die Praxis des Auswärtigen Amtes gelöst wurde. Bemerkenswert angesichts des Vulkantemperaments der beiden Kollegen.
Gescheiterte Strategie
Fischers Verteidigungsstrategie basiert darauf, dass er den Vorgang quasi erst aus der Akteneinsicht kenne. Die Strategie der Opposition, die Regierung als "Triebtäter" einer bedenkenlosen Liberalisierung darzustellen, ist damit gescheitert. Doch zugleich offenbarte Fischer in fast schon schmerzlicher Deutlichkeit seine Defizite als Dienstherr eines Ministeriums. An der Spitze des Auswärtigen Amtes steht ein Künstler, ein Jongleur, ein begnadetes Polittalent. Es fehlt der Manager, der Organisator, derjenige, der große Politikentwürfe in das kleine Alltagsgeschäft übersetzt. "Ich hätte informiert werden und eingreifen müssen", war Fischers Schlüsselsatz. Doch "Joschka, c’est moi" schwebte über den Dingen.
Er ist, wenn nicht neue gravierende Enthüllungen folgen, dem Rücktritt entkommen. Die Opposition ist damit gescheitert, den Skandal als skandalös genug, das Chaos im Ministerium als chaotisch genug, das Versagen des Ministers als blamabel genug darzustellen. Doch der Glanz von Super-Joschka ist erloschen, sein einstiger Zauber verflogen.
Fischer kämpft künftig mit den verachteten Gegnern auf Augenhöhe: mit den Uhls und den von Klaedens.