Einige Hoffnungsfrohe haben nun die Patentlösung: Entkoppeln wir doch den Gas- vom Ölpreis, schließlich wurde diese Regel vor Jahrzehnten unter völlig anderen Umständen eingeführt! Ja, wenn es denn nur so einfach wäre.
Anders als beim Öl gibt es beim Erdgas keinen echten Weltmarkt, auf dem zahlreiche Anbieter und Nachfrager miteinander handeln. Das meiste Gas wird über teure Pipelineverbindungen von A nach B transportiert, so dass etwa Russland und Deutschland an den beiden Enden dieser Röhre langfristig eng aneinander gebunden sind. Ein aktueller Marktpreis ist da kaum zu ermitteln. Die Orientierung an einem Referenzprodukt wie dem Öl kann wechselseitige Erpressungsversuche ausschließen und so die Investitionssicherheit erhöhen.
Selbst wenn es möglich wäre, kurzfristig aus den vertraglichen Bindungen auszusteigen, spricht nur wenig dafür, dass danach das Gas billiger würde. Der Energiehunger der Weltwirtschaft, der den Ölpreis nach oben treibt, macht schließlich vor den anderen fossilen Brennstoffen nicht halt. So ist beispielsweise der Erdgaspreis auch in den USA seit Anfang des Jahres um knapp 80 Prozent gestiegen.
Wer mehr Markt und Preiswettbewerb beim Gas will, der muss letztlich Deutschlands Bezugsquellen breiter streuen. Dazu könnte vor allem Flüssiggas beitragen, das per Schiff transportiert und daher ähnlich wie auf einem Weltmarkt gehandelt wird. Über den Bau eines Flüssiggasterminals in Wilhemshaven wird allerdings seit Jahrzehnten nur ergebnislos debattiert.