Zugegeben, keiner weiß, wie diese Finanzkrise am besten überwunden werden kann. Eines ist aber klar: Sie wird nie überwunden werden, wenn all die Denker und Lenker Gehör finden, die jetzt ihre innere Pastorentochter entdeckt haben und auf sämtlichen Kanälen gegen die Gier und das böse Streben nach schnellem Geld wettern.
Denn Finanzmarktpsychologie ist nun einmal im Kern sehr einfach: Menschen, die über Geld verfügen, sind ständig hin- und hergerissen zwischen Angst und Gier. Zwischen der Sorge, das mühsam Errungene wieder zu verlieren, und der faszinierenden Hoffnung, es noch kräftig zu vermehren.
Dagobert Duck spürt diese zwei Herzen in seiner Brust, an den realen Märkten gewinnt phasenweise stets eines der Gefühle die Oberhand - und prägt dann das, was alle Welt den Trend nennt.
Psychologisch leiden die Märkte momentan an extremen Angstattacken: Hinter jedem Firmenschild und in jedem Wertpapier wird mit guten Gründen ein Abgrund vermutet; die Massenflucht aus dem Risiko und in die allerletzten Horte der Sicherheit führt sogar dazu, dass kurzfristige US-Staatsanleihen noch mit Nullrendite begehrt sind.
Das Problem dieser Tage ist nicht die Gier, sondern deren plötzliches, vollständiges Verschwinden. Ein Wendepunkt der Krise wird erst dann erreicht, wenn die Gier wieder zurückgekehrt ist.
Etwas mehr Dankbarkeit bitte
Denn man kann es ja auch so sehen: Extremen Risiken stehen jetzt hohe Gewinnchancen gegenüber; nicht jedes dubiose Papier wird am Ende so wertlos sein, wie es heute scheint. Das ist ein starkes Argument für Risikofreudige, die dem schnellen großen Geld nachjagen.
Wohlgemerkt: Dies hier ist keinesfalls der Tipp an die Leser einzusteigen! Aber etwas mehr Dankbarkeit und Respekt haben die Gierigen schon verdient, die die Finanzwelt am Ende retten müssen.