Das Bild mancher Politiker von der Wirtschaftswelt ist reichlich simpel. Da gibt es die gierigen Spitzenmanager in den börsennotierten Großkonzernen, die vor lauter Shareholder-Value den Hals nicht vollkriegen. Sie entlassen Mitarbeiter, wie es ihnen passt, und sind schuld daran, dass es mit der Finanzkrise so weit kommen konnte. Und da gibt es die ehrbaren Kaufleute in den Familienunternehmen, die sich durch Anstand, langfristige Engagements und soziale Verantwortung auszeichnen.
Mit der ökonomischen Realität hat dieses platte Gut-böse-Schema, das auch manch ein Familienunternehmer selbst gern kultiviert, allerdings nicht viel zu tun. Das lässt sich schon auf einen schnellen Blick erkennen: In den vergangenen Monaten wurde gleich bei mehreren der vermeintlich guten Familienunternehmen deutlich, dass sie keinen Deut anders vorgehen als die angeblich so bösen Dax-Konzerne.
Bereits das äußerst fragwürdige Anschleichen der Familie Schaeffler bei
Continental und des familiendominierten Sportwagenbauers
Porsche bei
VW sollte bewiesen haben, dass diese Unternehmen nicht zwangsläufig nach einem besonderen Moralkodex handeln. Und die Verluste des Unternehmers und Milliardärs Adolf Merckle zeigen jetzt: Gier kommt in den besten Familien vor. Auch ein bodenständiger Firmenpatriarch wie Merckle ist nicht immun gegen Selbstüberschätzung, wenn er beim Handel mit VW-Aktien Geldbeträge in Milliardenhöhe verzockt.
Natürlich wäre es falsch, den Familienunternehmen vorzuwerfen, dass sie die gleichen Strategien verfolgen wie andere Investoren. Nur sollte niemand den pauschalen Eindruck erwecken, dass diese Unternehmen börsennotierten Konzernen oder Hedge-Fonds moralisch überlegen sind - weder Politiker noch die Familienunternehmer selbst.