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Merken   Drucken   01.06.2009, 21:04 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: GM-Insolvenz - Government Motors  

Es gibt also doch noch Riesen, die nicht zu riesig sind, um pleitezugehen. General Motors, der ehemals größte Autohersteller der Welt und ehemals größte Arbeitgeber der USA, hat nun endlich die Insolvenz angemeldet, die seit Monaten erwartet wurde.
Mit einer Lösung nach den üblichen Regeln von privatem Unternehmertum und Marktwirtschaft hat das Ganze aber trotzdem nichts zu tun. GM  hängt schon lange am finanziellen Tropf des Staates. Die Umstrukturierung des Konzerns ist keine betriebswirtschaftliche Frage mehr, sondern eine, über die ganz maßgeblich von der Regierung in Washington entschieden wird. Nicht erst seit Montag wird GM in den USA auch unter dem Spottnamen "Government Motors" geführt.
Der Konzernumbau wird sich also jetzt als Politdrama vollziehen. Das schafft erhebliche zusätzliche Risiken für die gesamte US-Wirtschaft, aber auch für die internationalen Wettbewerber, die auf dem amerikanischen Automarkt engagiert sind.
Für den amerikanischen Steuerzahler ist die Sanierung von GM zunächst einmal sehr teuer, 50 Mrd. $ oder mehr könnten in einem schwarzen Loch verschwinden. Viel schwerer noch als diese finanzielle Last wiegt auf Dauer aber, dass eine konsequent betriebswirtschaftliche Steuerung des Konzerns vollends unmöglich wird.
Schon jetzt ist klar, dass über Jobabbau und unvermeidliche Werksschließungen bald ähnlich diskutiert werden wird wie über die Schließung von Militärbasen: Regionalpolitik zählt mindestens so viel wie Produktivitätskennziffern.
Zu befürchten ist auch, dass die Regierung das Interesse an fairem und offenem Wettbewerb verliert, wenn sie selbst am Automarkt einer der wichtigsten Anbieter ist. Ideen, wonach die US-Hersteller kleine, spritsparende Fahrzeuge nicht importieren, sondern in jedem Fall in den USA selbst bauen sollten, lassen Übles befürchten.
Geradezu absurd wird es, wenn die Politik sich auch noch in die Produktentwicklung einmischt. Dass Amerika sparsamere Autos braucht, ist in Washington seit Langem Konsens. An die einfachste und konsequent marktwirtschaftliche Lösung, höhere Spritsteuern, traut sich aber niemand heran. Stattdessen wird eifrig an Regulierungen herumgedoktert, um mehr Effizienz zu erzwingen. Es fehlt nicht mehr viel, und GM muss seine neuen Modelle bald von den staatlichen Finanziers absegnen lassen.
  • Aus der FTD vom 02.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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