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Merken   Drucken   05.01.2009, 20:48 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: HSH Nordbank - Kosmetik statt Medizin  

Manchmal reicht es schon, gut auszusehen, um im Spiel zu bleiben. Nach diesem Motto verfährt die schleswig-holsteinische Landesregierung, wenn sie den Sparkassen im Norden Garantien für deren Anteile an der gebeutelten HSH Nordbank ausspricht.
Indem Kiel für mögliche Buchverluste geradesteht, bleibt das Eigenkapital der Sparkassen verschont. Und die Institute werden nicht gezwungen, in der Rezession ihre Kredite für die regionale Wirtschaft einzuschränken.
Wenn diese dezente Bilanzkosmetik von Staatsseite in der angespannten Wirtschaftslage tatsächlich wie eine kleine Konjunkturstütze wirkt, hätte sich der Trick allemal gelohnt. Es wäre allerdings eine Illusion zu glauben, auf diese Weise die grundsätzlicheren Probleme, mit denen die HSH Nordbank Sparkassen wie Landeshaushalt gleichermaßen belastet, allzu leicht übertünchen zu können.
Das Kalkül der schwarz-roten Landesregierung basiert auf der Hoffnung, dass die Landesbank nur unter einer vorübergehenden Schwäche leidet, die sich mit dem Ende der Finanzkrise schon wieder geben wird. Bis dahin können die Sparkassen ihre Wertverluste im Landeshaushalt verstecken - ohne dass Kiel auch nur einen Cent auszahlen muss. Was aber, wenn die Garantien wie geplant 2013 auslaufen und die Bank dann noch immer nicht genesen ist? Die Lasten, die auf die Eigner noch zukommen könnten, lassen sich heute ebenso wenig abschätzen wie der künftige Marktwert toxischer Papiere, die in "Bad Banks" ausgelagert werden.
Die Sparkassen - auch solche außerhalb von Schleswig-Holstein - haben dieses Problem erkannt und versuchen, sich von den mittlerweile ungeliebten Landesbanken zu trennen. Nur öffnen ihnen dafür leider auch staatliche Garantien, wie sie Kiel plant, momentan keinen Notausgang: Das Konstrukt beruht ja gerade darauf, dass Anteile nicht zum aktuellen Marktpreis bewertet werden - es funktioniert aber nur, solange die Eigner ihre Anteile halten. Bei einem Verkauf wären schwere bilanzielle Verluste unvermeidlich.
Das ist nicht nur aus Sicht der Sparkassen bedauerlich. Für die Wirtschaft als Ganzes wäre ein Ende der unheiligen Allianz zwischen Sparkassen und Landesbanken wünschenswert - und die Finanzkrise wäre dafür ein willkommener Anlass.
In ihrer Doppelrolle als Eigner und Kunden der Landesbanken stecken die Sparkassen in einem Dilemma. Auch sie tragen ein Stück Verantwortung dafür, dass die Landesbanken ihren riskanten Finanzgeschäften zum Opfer fielen: Um allzu viel Konkurrenz im Privatkundengeschäft zu vermeiden, bremsten die Sparkassen ihre großen Schwestern auf diesem stabilen Geschäftsfeld aus und zwangen sie, auf spekulativere Felder auszuweichen.
Vor der Krise wäre es den Sparkassen leichter gefallen, sich aus den Landesbanken zurückzuziehen, wie gerade der Fall der HSH Nordbank mit ihrem Privatinvestor J.C. Flowers zeigt. Jetzt hilft ihnen auch keine Kosmetik.
  • Aus der FTD vom 06.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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