Auch wenn Flowers eine komplette Übernahme des Dax-Konzerns nie angestrebt hat: rein rechnerisch wäre sie ihm jetzt ein Leichtes gewesen. Der Fluchtversuch der Anleger zeigt, wie tief das Vertrauen in eine rasche Kurserholung gesunken ist. Schließlich schien die Offerte von Flowers mit 22,50 Euro je Aktie ein echtes Schnäppchen für den Finanzinvestor zu sein - 35 Euro hatte die Aktie noch im Januar gekostet. Nun aber steht die
HRE -Führung mit ihrem Urteil, der Flowers-Preis sei viel zu niedrig, ziemlich alleine da.
Selbst wenn der Markt vielleicht etwas übertrieben reagiert und die HRE in der Substanz tatsächlich mehr wert wäre, ist das Urteil der Anleger verständlich: Möglich, dass ein aktives Management durch Flowers den Wert der Bank steigert. Dennoch liefert die Hypo keine überzeugende Wachstumsstory - für das laufende Jahr sieht sie nicht mehr Gewinn voraus als im vergangenen.
Die Anleger haben deutlich gemacht, wie wenig sie der HRE-Führung noch zutrauen. Dem Vorstand nehmen sie übel, dass er sie mit Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe Mitte Januar vollkommen überraschte - und dann auch noch die Dividende halbierte.
Für die künftige Kursentwicklung sind das düstere Aussichten. Nachdem die Aktie nun abgeschmiert ist, dürften die nervösen Anleger auf jegliche Erholung mit einem sofortigen Verkauf reagieren - und so den Kurs wieder belasten. Gut möglich, dass Flowers mit seinem mittelfristigen Engagement mehr Geduld mitbringt als die meisten der bisherigen Aktionäre.