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Merken   Drucken   09.07.2009, 21:17 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Infineon - Zweifelhafter Retter  

Ein englisches Sprichwort sagt, dass man verschütteter Milch nicht hinterherweinen soll. Im Fall von Infineon fällt das schwer. Es tut weh mitanzusehen, wie ein Konzern gegen die Wand zu fahren droht, der Spitzentechnologie herstellt und ein wichtiger Zulieferer für andere Industrien ist.
Das gilt auch dann, wenn keine realistischen Alternativen in Sicht sind - umso mehr, wenn der Konzern an der Misere zum Großteil selbst schuld ist.
Mit Apollo steigt bei Infineon  ein Finanzinvestor ein, der oft brachial in die Strategie von übernommenen Firmen eingreift. Angesichts der groben Fehler, die sich Management und Aufsichtsrat des Chipherstellers in der Vergangenheit geleistet haben, kann es ein neuer Herr im Haus theoretisch zwar nur besser machen. Voraussetzung ist jedoch, dass er das Unternehmen tatsächlich erhalten will. Aber dass Apollo das wirklich vorhat, daran sind Zweifel angebracht.
Mit hohen Dividenden kann der Fonds bei Infineon so bald nicht rechnen. Es ist daher gut möglich, dass Apollo die Erwartungen seiner Investoren zu erfüllen versucht, indem er den Chiphersteller zerlegt, die Einzelteile verhökert und sich dafür mit kräftigen Sonderdividenden belohnt.
Ein solches Szenario hätte einst verhindert werden können. Jetzt ist Infineon Apollo ausgeliefert - unter anderem, weil die Führung es verpasst hat, die mittlerweile insolvente Speicherchiptochter Qimonda rechtzeitig zu verkaufen. Und weil Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley lieber gegen den eigenen Vorstand intrigiert hat, als das Unternehmen effektiv zu kontrollieren. Vor gut zwei Jahren interessierten sich zudem noch andere Investoren für Infineon. Mit ihnen hätte der Konzern aus einer stärkeren Position heraus verhandeln können.
Dass Infineon sich nun in die Hand eines aggressiven Großinvestors begibt, beweist eines: Das Management selbst hat die Hoffnung aufgegeben, sich aus eigener Kraft aus seiner misslichen Lage befreien und das nötige Kapital am freien Markt einsammeln zu können - allen Anstrengungen der letzten Monate zum Trotz.
Daher wäre auch der Staat der falsche Ansprechpartner für den Konzern: Dass die Chipindustrie in Europa langfristig überhaupt eine Zukunft hat, bezweifeln viele. Und obwohl die Wirtschaftskrise der gesamten Branche heftig zusetzt, war Infineon - wie Arcandor - schon lange vor ihrem Ausbruch in der Bredouille.
  • Aus der FTD vom 10.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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