Ahmadinedschads Visite zeigt aber vor allem, dass das Ringen um die künftige Ausrichtung des Irak beginnt. Je stabiler die Verhältnisse in Bagdad werden, desto dringender stellt sich die Frage, wer für den neuen Irak der wichtigste Partner sein wird: Die USA? Die sunnitische arabische Welt? Die schiitische Islamische Republik Iran?
Für Teheran steht viel auf dem Spiel. Einerseits gibt es traditionell sehr enge Beziehungen zu den Schiiten im Irak, die dort die Mehrheit stellen und daher auch stärkste politische Kraft sind. Viele Iraner pilgern zu den heiligsten schiitischen Stätten, die sich im Irak befinden. Auch der Wirtschaftsaustausch blüht. Andererseits kann genau das zur Gefahr werden, wenn der neue Irak - im dauerhaften Bündnis mit den USA - ein eigenes Modell entwickelt, das zwar keine militärische, aber eine ideologische Bedrohung des Mullahregimes wäre.
Das iranische System fußt seit den Tagen Ayatollah Chomeinis auf der Doktrin von der politischen Herrschaft der islamischen Rechtsgelehrten; im Irak halten sich die mächtigsten Kleriker, angeführt von Ayatollah Ali al-Sistani, explizit aus dem politischen Geschäft heraus.
Viel wird am Ende von der Irakstrategie der USA abhängen. Derzeit plant Washington ein langfristiges Bündnis mit Bagdad und wirbt für mehr westliche Investitionen. Barack Obama, der Favorit der Demokraten, verspricht jedoch, dass er als US-Präsident schnellstmöglich den Rückzug beginnen würde. Kein Wunder, dass auch Ahmadinedschad dies als Weg zum Frieden preist.