Als
Barack Obama im vergangenen Sommer die von Hamas-Raketen bedrohte israelische Stadt Sderot besuchte, sagte er einen bemerkenswerten Satz. "Wenn Raketen auf den Ort fielen, an dem meine beiden Töchter schlafen", so der damalige US-Präsidentschaftskandidat, "würde ich alles tun, um das zu beenden."
Im Nachhinein liest sich dieser Satz wie ein Freibrief für die spätere israelische Militäraktion im Gazastreifen. Und auch wenn in den vergangenen Wochen weltweit Menschen gegen Israel auf die Straße gegangen sind: Nicht nur die USA, sondern auch europäische Regierungen scheinen die Angriffe stillschweigend akzeptiert und sich der dahinterstehenden Logik gebeugt zu haben. Selbst Saudi-Arabien wies gleich nach Beginn der neuen Waffenruhe noch einmal auf das arabische Friedensangebot an Israel hin.
Israel ist aber nicht nur der diplomatische Sieger des jüngsten Konflikts, sondern hat auch einen strategischen Erfolg errungen. Die Hamas ist geschwächt und scheint von der Härte der Reaktion beeindruckt. Große Teile der internationalen Gemeinschaft sind überzeugt, dass unbedingt verhindert werden muss, dass die Hamas wieder aufrüstet. Diese Erkenntnis muss sich jedoch verfestigen, um einer längeren Waffenruhe näher zu kommen - dem faktisch einzigen Ziel, das Israel im Gazastreifen anstreben kann.
Die USA und die EU, vor allem aber Ägypten müssen daher nun alles tun, um den Nachschub von Waffen zu unterbinden. Den Schmuggel durch die Grenztunnel zu verhindern ist wichtig, viel effektiver aber wäre es, schon früher anzusetzen und die Transportwege dichtzumachen. Dem Schmuggel muss zudem die ökonomische Grundlage entzogen und der lokalen Bevölkerung andere Einkommensquellen gegeben werden.
Die geplanten Treffen der EU-Außenminister mit Israel bieten Europa die Gelegenheit, in diesem Prozess eine konstruktive Rolle zu spielen. Nur wenn die Hamas dauerhaft geschwächt wird, ist die Waffenruhe mehr als nur die Pause vor dem nächsten Krieg.