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Merken   Drucken   13.04.2008, 20:16 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: IWF-Tagung - Tastend durch die Krise  

Am Wochenende hat es eine andere Krise geschafft, die Finanzkrise ein wenig in den Schatten zu stellen. Die explodierenden Lebensmittelpreise sind längst eine solch existenzielle Bedrohung für Millionen Menschen in den Entwicklungsländern und die Stabilität ganzer Staaten, dass die globale Finanzelite auf ihrem Treffen in Washington nicht an diesem Thema vorbeikam.
Natürlich ist es uneingeschränkt gut, wenn die Chefs von IWF und Weltbank die Öffentlichkeit auch für die Gefahren der Nahrungsmittelkrise sensibilisieren. Ein Erfolg war diese Frühjahrstagung jedoch nicht wegen derartiger gut gemeinter, aber letztlich doch unverbindlicher Worte. Ihre Bedeutung lag darin, dass die wichtigsten Industriestaaten (G7) erstmals seit Ausbruch der Finanzkrise im vergangenen Sommer ein umfassendes und konkretes Aktionspaket verabschiedet haben.
Die vereinbarten Schritte werden zwar weder dazu führen, dass sich die heutige Krise bald in Luft auflöst, noch können sie verhindern, dass es in Zukunft zu ähnlichen Turbulenzen kommt. Einen solchen Vollkaskoschutz kann aber selbst die schärfste Regulierung nicht leisten. Kritik ist daher weniger an den Resultaten des Washingtoner Treffens angebracht als an den überzogenen Erwartungen im Vorfeld.
Das Entscheidende an den G7-Beschlüssen ist, dass sie unmissverständlich klarstellen, wer jetzt was in welcher Frist zu tun hat. Die Formulierung einer präzisen To-do-Liste erhöht den Reformdruck auf Banken und Ratingagenturen. Auch die unüberhörbare Drohung, zur Not regulatorisch tätig zu werden, wird dazu beitragen, dass ein großer Teil der jetzt vereinbarten Maßnahmen - etwa die umfangreiche Offenlegung von Verlusten und Risiken durch die Banken - kurzfristig umgesetzt wird.
Zugleich haben es die G7-Staaten vermieden, sich von der Unruhe an den Märkten zu hektischen Entscheidungen drängen zu lassen. Zu Recht haben sie der Forderung der Finanzbranche eine Absage erteilt, eine Lockerung der Fair-Value-Bilanzierungsregeln mit ihren weitreichenden Konsequenzen im Eilverfahren durchzudrücken. Auch die fehlende Aussage im Abschlusstext, dass der Staat zur Not Problemkredite aufkauft, ist kein Versäumnis. Im Fall des Falles kommt es allein darauf an, dass Notenbanken und Regierungen flexibel und entschlossen handeln - so wie es in den USA bei der Rettungsaktion für die Krisenbank Bear Stearns geschehen ist.
Diese Finanzkrise ist so gravierend, dass auch das Aktionspaket der G7 keine schnelle Wirkung entfalten wird. Für Politiker, Notenbanker, Aufseher und Bankchefs kann es zunächst nur darum gehen, sich vorsichtig durch die Turbulenzen zu tasten. In Washington sind sie dabei einen Schritt vorangekommen.
  • Aus der FTD vom 14.04.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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