Diesmal sind es keine politischen Probleme, die Berlin zögern lassen, sondern die Sorgen vor den finanziellen Folgen eines Engagements im zerschossenen Afghanistan. Die sollten die Regierung aber nicht davon abhalten, ruhig die Führung der Schutztruppe zu übernehmen, falls die UN und die Übergangsregierung dies wünschen.
Die Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg hat sich bereits in der vergangenen Woche für die Entsendung internationaler Streitkräfte ausgesprochen. Im Land selbst gibt es bis auf weiteres keine stabile Zentralgewalt, die für Sicherheit sorgen könnte. Das Pokern des Usbeken-Generals Dostum um eine dominante Rolle zeigt es deutlich genug.
Wenn die Deutschen von der afghanischen Übergangsregierung als Macht akzeptiert werden, die keine Eigeninteressen verfolgt, ist das im Sinne der Stabilisierung des Landes ein Glücksfall. Diese Chance sollte man nicht leichtfertig verspielen.
Es ist allerdings schwer vorstellbar, dass Blauhelme im Einvernehmen mit der Übergangsregierung für Frieden sorgen und renitente Kriegsherren in Schach halten, während gleichzeitig US-Soldaten mit lokalen Warlords Jagd auf die fliehenden Kämpfer der Taliban machen. Noch schwerer ist allerdings vorstellbar, dass sich das US-Oberkommando Vorschriften machen lässt: Dieser heikle Widerspruch harrt noch der Lösung.
Ein Einsatz unter deutscher Führung stellt Verteidigungsminister Rudolf Scharping vor eine harte Wahl. Sein prophylaktisches Jammern nutzt nichts: Eine führende Rolle für deutsche Soldaten in Afghanistan erfordert genau die Kommando- und Kommunikationsfähigkeiten, die eine modernisierte Bundeswehr erwerben soll. Der Minister muss beweisen, dass er dies unter realen Bedingungen bewerkstelligen kann. Dafür müssen andere Beschaffungen zur Not zurückstehen.
Weitere Leitartikel zu den Themen "Gefährliche Militärgerichte" und "Hartes Los des ZDF" in der FTD-Ausgabe vom 10.12.2001.