FTD.de » Meinung » Kommentare » Josef Ackermann - Wer mehrfach irrt

Merken   Drucken   14.01.2009, 20:24 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Josef Ackermann - Wer mehrfach irrt  

Eines muss man Josef Ackermann lassen: Er bleibt sich treu. Wer erwartet hatte, dass das Eingeständnis eines Rekordverlusts den Chef der Deutschen Bank zu Demut oder Bescheidenheit nötigt, sah sich am Mittwoch getäuscht.
Rhetorisch gibt Ackermann weiter den starken Mann, der höchstens "einige Schwächen" seines Instituts einräumt. Der eine staatliche Bad Bank für toxische Papiere zwar allgemein fordert, sie aber nicht selbst zu nutzen gedenkt, der für sich "absolut keine Notwendigkeit für weiteres Kapital" sieht - vom Staat schon gar nicht. Und der noch über Dividendenausschüttungen an seine Aktionäre sinniert, während die Konkurrenz sich darüber den Kopf zerbricht, wie sie überhaupt die Zinsen für staatliche Kapitalspritzen bezahlen soll.
Unter normalen Umständen würde der Markt solche Aussagen vermutlich als positives Signal werten - wer öffentlich über Dividenden redet, hat offenbar noch etwas zu verteilen. Im Fall des Deutsche-Bank-Chefs allerdings haben markige Worte und Gesten ihre Wirkung verloren, wie der Sturzflug der Aktie zeigt.
Es ist ja ehrenwert, dass Ackermann anscheinend alles tut, um keine Staatshilfen in Anspruch zu nehmen. (Wenigstens keine direkten, wenigstens jetzt noch nicht.) Mit dem schlechtesten Ergebnis der Firmengeschichte ist seine Glaubwürdigkeit aber dahin.
Zugegeben, niemand konnte vorhersehen, wie tsunamiartig die Finanzkrise am Ende durch die Bilanzen sämtlicher Banken fegen würde. Aber Ackermann hat sich immer wieder besonders weit vorgewagt. Kein anderer Bankmanager hat so häufig und mit so viel Selbstbewusstsein das baldige Ende der Finanzkrise ausgerufen - und wurde dann vom Verlauf der Dinge dermaßen schallend geohrfeigt.
Ackermann pokert weiter, verspricht, ohne Hilfe auszukommen. Das ist ein hehres Ziel. Es sollte nur keiner glauben, dass die Aussagen des Deutsche-Bank-Chefs Rückschlüsse auf die Qualität seines Blatts zulassen.
  • Aus der FTD vom 15.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
  18.05. Pressestimmen zum Röttgen-Rauswurf "Angela Merkel eiskalt"
Pressestimmen zum Röttgen-Rauswurf: "Angela Merkel eiskalt"

Deutschlands Leitartikler zeigen sich verwundert über Merkels schroffe Art bei Röttgens Zwei-Minuten-Rausschmiss, erkennen dafür aber gute Gründe. Einer sieht die alte Merkel zurückkehren. mehr

 



  27.05. Deutsches Mädchen jahrelang als Sklavin gehalten
Vermischtes: Deutsches Mädchen jahrelang als Sklavin gehalten ...

In Bosnien ist ein deutsches Mädchen acht Jahre lang als Sklavin gehalten worden. mehr

Mehr zu: Bosnien, Deutsche

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote