Und jetzt fordert ausgerechnet eine Hausbank den Kopf des Karstadt-Vorstandschefs Christoph Achenbach. Sieht so eine zielgerichtete Sanierung aus? Falls es einigen Bankern noch nicht geläufig sein sollte: Achenbach hat - im Gegensatz zu seinen beiden Amtsvorgängern - die Krise des Konzerns nicht zu verantworten; er ist erst seit Juni im Amt. Auch wenn er nicht so eloquent und dynamisch wirkt wie Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff, den sich manche an Achenbachs Stelle wünschen - der Vorstandschef hat bisher solide Sanierungsarbeit geleistet. Das Rettungskonzept für Karstadt steht, und auch ein Erfolg versprechendes Sparpaket wurde unter Achenbachs Ägide mit der Belegschaft ausgehandelt. Was also sollen die Rufe, der Mann müsse abgelöst werden? Sie sind geradezu geschäftsschädigend, denn was der angeschlagene Konzern jetzt für eine erfolgreiche Sanierung braucht, ist Ruhe.
Begreifen müssen dies die hinter vorgehaltener Hand tuschelnden und gegen Achenbach agierenden Banker. Begreifen sollte dies aber auch Middelhoff. Sicherlich, öffentlich nimmt er den Vorstandschef in Schutz. Zugleich aber profiliert sich der Aufsichtsratschef, der gönnerhaft davon spricht, er und Achenbach seien ein "perfektes Paar", vor allem selbst. Das operative Geschäft ist qua Stellenbeschreibung Achenbachs Job, die Kontrolle aus dem Hintergrund Middelhoffs. Deshalb sollte sich der Aufsichtsratschef auch im Hintergrund halten - im Interesse des Konzerns.
Weitere Leitartikel zu den Themen "Europäische Geldpolitik: Fahrplanwechsel" und "Yukos: Russisches Risiko" in der FTD-Ausgabe vom 26.11.2004.