Bundesforschungsministerin
Annette Schavan (CDU) fordert hingegen einen "Ausstieg aus dem Ausstiegsbeschluss". Wen interessiert es noch, dass Kanzlerin Angela Merkel in dieser Woche auf dem G8-Gipfel die im Koalitionsvertrag festgehaltene Einigung als deutsche Position vertreten muss?
Grundsatzbekenntnisse taugen vielleicht dazu, die politische Stimmung weiter anzuheizen. Sie bringen die Diskussion aber nicht weiter. Es hat keinen Sinn, den Einsatz einer Technologie, wie von Eppler gefordert, ein für alle Mal auszuschließen und damit das deutsche Grundgesetz zu belasten. Zugleich steht aber auch der Neubau von Kernkraftwerken so lange nicht zur Debatte, wie eine Mehrheit der Deutschen diese Art der Energiegewinnung aus guten Gründen ablehnt.
Die spannende Frage ist derzeit nur, ob es sinnvoll ist, die Restlaufzeiten der Kernkraftwerke zu verlängern, und unter welchen Umständen dies für Produzenten und Verbraucher einen Vorteil mit sich bringt. Eine der Erwartungen, die Befürworter längerer Laufzeiten gern wecken, ist ja, dass sich der Anstieg der Strompreise auf diese Weise unter Kontrolle bringen lässt. Es ist die Wut der Verbraucher über zunehmende Energiekosten, nicht die Sorge ums Klima, die dazu führte, dass die Union das Thema als Wahlkampfschlager entdeckte und in der SPD einige ins Grübeln gekommen sind.
Das wirft aber die Frage auf, bis zu welchem Maß an Gewinnverzicht eine längere Nutzung für die Energieversorger überhaupt noch vorteilhaft ist. Die müssten schließlich bei der Abkehr vom Ausstieg mitmachen.
Würden die Laufzeiten ohne zusätzliche Bedingungen verlängert, könnten die Betreiber sich auf goldene Zeiten freuen. Die Meiler sind größtenteils abgeschrieben und bringen tägliche Reingewinne in Millionenhöhe. Allerdings häufen sich Vorschläge, wonach im Gegenzug für die verlängerte Nutzung Opfer von den Konzernen verlangt werden sollen. Entweder könnten die Verbraucher direkt von den Zusatzeinnahmen der Betreiber profitieren. Oder - und hier horchen selbst entschiedene Kernkraftgegner auf - ein Teil des Geldes fließt in einen Fonds, mit dem die Entwicklung alternativer Energien gefördert wird.
Ab wann aber lohnt sich ein solches Modell für die von hohen Strompreisen verwöhnten Versorger? Die Stunde der Feilscher rückt näher.