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Merken   Drucken   13.04.2009, 19:38 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Kleinliche Boni-Vorschläge aus Brüssel  

EU-Binnenmarktkommissar Charly McCreevy scheut verbindliche Vorgaben für die Reform der Vergütungssysteme für Manager. Statt halbherziger Vorstöße sollte die EU die Finger lieber ganz aus dem Spiel lassen.
Wer den Erklärungen von Politikern aus aller Herren Länder zuhört, könnte glatt zu dem aberwitzigen Schluss kommen: Ohne kurzfristige Bonuszahlungen gäbe es heute weder eine Finanzmarkt- noch eine Wirtschaftskrise. So grob verkürzt diese Analyse auch ist, so groß ist das Engagement der Politik, dieses symbolisch wichtige Thema anzufassen. Es gibt kaum eine Gipfelerklärung, in der das Bekenntnis zu langfristig orientierten Gehaltssystemen fehlt. Erst vor Kurzem fand es sich auch wieder im Abschlusskommuniqué des Londoner G20-Treffens.
Betrachtet man all die großen Worte, ist der Vorschlag der EU-Kommission für eine Reform der Bonusregeln bemerkenswert kleine Münze. Statt verpflichtende Vorgaben für die Mitgliedsstaaten zu machen, will Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy  lediglich unverbindliche Grundsätze vorlegen - und das, obwohl viele Mitgliedsstaaten solche Empfehlungen aller Erfahrung nach ignorieren und Brüssel die rechtlichen Instrumente fehlen, die Umsetzung in nationales Recht bei Bedarf zu erzwingen.
Zwar ist es gut, wenn sich die Kommission an das marktwirtschaftliche Gebot hält, dass die Höhe der Vergütung allein Sache der Unternehmen ist. Das nicht grundsätzlich falsche Bemühen der Politik, Bonuszahlungen stärker am langfristigen Erfolg auszurichten, darf nicht dazu führen, dass sie über das Ziel hinausschießt und allen Unternehmen in Europa ein enges Korsett anlegt. Eine Staatswirtschaft bei den Managergehältern ist weder die richtige Antwort auf die aktuelle Krise, noch kann sie die Welt gegen künftige Krisen immunisieren.
Bevor die Kommission aber nur unverbindliche Empfehlungen wagt, für deren Einhaltung sie nicht sorgen kann und will, sollte sie die Finger ganz von der Sache lassen. Stattdessen sollte sie die Umsetzung der G20-Beschlüsse lieber gleich den Mitgliedsstaaten überlassen, bei denen ohnehin die Zuständigkeit in den zentralen Fragen liegt.

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