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Merken   Drucken   18.04.2007, 19:35 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Konjunktur - Der Goldtopf am Horizont  

Nun ist es sozusagen amtlich: Die führenden Wirtschaftsinstitute haben die gute Stimmung, die republikweit an vielen Stellen schon eine Weile zu spüren ist, in Zahlen gefasst.
Für dieses und nächstes Jahr sagen die Konjunkturforscher ein Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent voraus, und - die Deutschen hören und staunen - schon 2008 wird der Staat nach der Prognose keinen einzigen Euro neue Schulden aufnehmen müssen.
Es läuft so gut, dass dem Bundesfinanzminister angst und bange wird. Peer Steinbrück neigt zwar berufsbedingt zu Pessimismus, seine Sorge ist aber berechtigt: Die Koalitionskollegen haben schon begonnen, Ernten zu verteilen, wo gerade erst eine Saat aufgeht. Wirtschaftsminister Michael Glos schwärmt von Steuersenkungen nach der nächsten Wahl, und nun haben die Institute nachgelegt. Auch sie meinen, niedrigere Einkommensteuern wären mittelfristig eine gute Sache - ebenso wie mehr staatliche Investitionen und niedrigere Lohnnebenkosten.
Schon dieser Dreiklang der Wünsche, der selbst mit größtem Ehrgeiz nicht zu verwirklichen ist, zeigt, dass die Institute eher Prinzipielles beschreiben, statt eine konkrete Empfehlung für 2009 auszusprechen - das Jahr, in dem der Bundeshaushalt möglicherweise sogar einen Überschuss ausweist. Eine solche Empfehlung kann heute vernünftigerweise auch niemand geben. Niemand kann vorhersagen, wie die Konjunktur in zwei Jahren laufen wird. Zwar deutet im Moment alles darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft weiter munter wächst. Wie schnell aber ein äußerer Schock - steigende Ölpreise, eine Rezession in den USA - das rosige Bild schwarz färben kann, hat man in der Vergangenheit oft erlebt. Ob Steuersenkungen konjunkturell angezeigt sind oder ob sie womöglich eine Überhitzung nur noch verschärfen, lässt sich lediglich auf Sicht entscheiden, nicht Jahre im Voraus.

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