FTD.de » Meinung » Kommentare » Konjunktur - Es bleibt viel zu tun

Merken   Drucken   07.07.2009, 21:35 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Konjunktur - Es bleibt viel zu tun  

Die steigenden Auftragseingänge der Industrie deuten darauf hin, dass die Wirtschaft sich tatsächlich erholt. Doch das ist für die Politik kein Freibrief, die Reform der Finanzmärkte aufzugeben.
Bislang war die Hoffnung auf einen baldigen Aufschwung nur ein bloßes Gefühl. Seit Dienstag gibt es jenseits der reinen Stimmungsindikatoren endlich auch harte Fakten aus der Realwirtschaft, die auf die ersehnte Wende hindeuten. Der hohe Anstieg der Auftragseingänge in der deutschen Industrie ist ein klares Signal dafür, dass es mit der Wirtschaft schneller nach oben gehen könnte, als in den finsteren Krisenmonaten zu befürchten war.
Ob es nach dem Absturz tatsächlich zu einem V-förmigen Konjunkturverlauf mit kraftvollem Aufschwung kommt, kann zwar noch niemand sagen. Es mehren sich aber die Anzeichen, dass das von vielen befürchtete L-Szenario mit einer langen Stagnationsphase ausbleibt.
So wichtig die jüngsten Signale auch sind, sie dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Aufschwung zerbrechlich sein wird. Sicherlich sind Indikatoren wie aktuell der Auftragseingang ein Beleg dafür, dass selbst in der großen Krise die Gesetzmäßigkeiten früherer Konjunkturzyklen weiter Gültigkeit haben - etwa jene, dass nach dem Abbau der Lagerbestände die Produktion wieder anziehen muss. Dennoch ist die Erholung gerade nach einer derart scharfen globalen Rezession außergewöhnlich anfällig.
Sollte der Ölpreis deutlich steigen oder der Euro kräftig zulegen, könnte der Aufschwung in Deutschland ins Stocken geraten, noch bevor er die Kraft hat, sich selbst zu tragen. Bei zunehmend positiven Konjunkturindikatoren besteht zudem die Gefahr, dass die Wirtschaftspolitik zu früh aus dem Krisenmodus aussteigt und die Erholung mit übereilten Ausgabenkürzungen oder Steuererhöhungen zunichte macht.
Auch in anderer Hinsicht droht die Politik die guten Nachrichten von der Konjunktur falsch zu verstehen. Die Erholung ist - anders, als es manch einer gern hätte - kein Beleg dafür, dass die Korrekturen im globalen Finanzsystem bereits ausreichen. Dass es der Wirtschaft weltweit bald wieder besser gehen dürfte, liegt vor allem an einem Nachholeffekt - und mitnichten an entschlossenen Reformen. Es wäre daher fatal, sollten die führenden Industriestaaten, die sich zu ihrem Gipfel treffen, die einmalige Gelegenheit für eine umfassende Reform der Weltfinanzmärkte auslassen. Auch wenn es wieder aufwärtsgeht - die strukturelle Anfälligkeit des Finanz- und Wirtschaftssystems ist noch so groß wie vor der Krise.
  • Aus der FTD vom 08.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Kommentare
Kommentar schreiben Pflichtfelder*




  18.05. Pressestimmen zum Röttgen-Rauswurf "Angela Merkel eiskalt"
Pressestimmen zum Röttgen-Rauswurf: "Angela Merkel eiskalt"

Deutschlands Leitartikler zeigen sich verwundert über Merkels schroffe Art bei Röttgens Zwei-Minuten-Rausschmiss, erkennen dafür aber gute Gründe. Einer sieht die alte Merkel zurückkehren. mehr

 



  18:35 Deutsches Mädchen jahrelang als Sklavin gehalten
Vermischtes: Deutsches Mädchen jahrelang als Sklavin gehalten ...

In Bosnien ist ein deutsches Mädchen acht Jahre lang als Sklavin gehalten worden. mehr

Mehr zu: Bosnien, Deutsche

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote