Wer bei riskanten Geschäften den Schaden trägt, wenn sie fehlschlagen, geht von vornherein geringere Risiken ein. Nach dieser Logik will die EU-Kommission die internationalen Kreditmärkte disziplinieren und einen ihrer Krisenauslöser entschärfen: die Möglichkeit, Risiken zu bündeln und weiterzureichen. Europäische Banken sollen künftig nur noch dann Kreditverbriefungen kaufen dürfen, wenn der Emittent mindestens zehn Prozent der gleichen Risikoposition behält.
Der Vorschlag aus Brüssel hat durchaus Charme: Statt Regeln für die Verkäufer von Kreditverbriefungen festzulegen, setzt er bei deren Kunden, den Investoren, an. De facto nehmen die Europäer dadurch auch Einfluss auf ausländische Emittenten.
Würde Brüssel dagegen lediglich Europas Banken Vorschriften machen, unter welchen Umständen sie selbst Kredite verbriefen dürfen, drohen die europäischen Finanzplätze Paris, London und Frankfurt ins Hintertreffen zu geraten: Forderungsbesicherte Wertpapiere würden dann einfach dort begeben und gehandelt, wo sie weniger stark reguliert werden. Fallen dagegen sämtliche europäischen Banken als Käufer von verbrieften Krediten weg, sofern die Emittenten nicht ein Stück des Risikos weiterhin tragen, sinkt die Nachfrage nach Verbriefungen ohne Eigenanteil am Risiko weltweit.
Wenig überzeugend ist der Einwand der europäischen Banken, sie selbst würden bei der Prüfung der Qualität der Kreditnehmer nachlässiger werden, wenn sich der Emittent am Risiko beteiligt. Von einer gewissenhaften Risikoprüfung von Kreditnehmern durch die Banken konnte auch unter dem bisherigen Modell kaum die Rede sein: Dass sich die Institute stattdessen blind auf die Einschätzungen von Ratingagenturen verließen, gehört zu den triftigsten Gründen der Krise am US-Hypothekenmarkt.
Allerdings wird die EU mit der Maßnahme im Alleingang langfristig weniger erreichen, als wenn sie sich mit Bankenregulierern aus den USA und Japan abstimmt. Eine effektivere und weiter geltende Regulierung kann nur im Basler Ausschuss erreicht werden: Er kümmert sich um die Bankaufsichtsregeln weltweit. Das Gremium analysiert derzeit ebenfalls, welche Lehren die Verbriefungsmärkte aus der Finanzkrise ziehen müssen; hier muss Brüssel seinen Einfluss nutzen.
Sicher, die Verhandlungen im Basler Ausschuss sind zäh und langwierig. Jahrelang hat das Feilschen um Eigenkapitalquoten im Basel-II-Vertrag gedauert, mehrfach ist das Inkrafttreten der neuen Regeln verschoben worden. Gerade deshalb ist es eine gute Nachricht, wenn die Europäer nun mit neuen Vorschlägen voranpreschen. Jetzt gilt es, andere auf ihre Seite zu ziehen.