"Hinter jedem großen Vermögen steckt ein Verbrechen" - dieser Satz wird dem Dichter Honoré de Balzac zugeschrieben, Mario Puzo hat ihn seinem Mafiaroman "Der Pate" vorangestellt.
Oskar Lafontaine erhebt ihn jetzt zum Leitmotiv seiner Wirtschaftspolitik.
Es sei doch gar nicht möglich, dass "eine gepflegte Dame und ihr Sohn" allein 10 Mrd. Euro erarbeiten, befindet der Chef der Linkspartei beim Blick auf die Unternehmerfamilie Schaeffler, die kürzlich den Dax-Konzern Continental übernommen hat. Solcher Reichtum sei "verfassungswidrig". Er gehöre konfisziert, schließlich sei er zuvor den Arbeitern per "Enteignung" geraubt worden.
Es ist müßig, solche Polemik mit ernsthafter Juristerei zu beantworten. Viel wichtiger ist, was sie über Weltbild und Methoden eines Mannes verrät, der seit Monaten seine alte Partei SPD vor sich hertreibt und der wieder Ministerpräsident im Saarland werden will.
In der Wirtschaft à la Lafontaine gibt es keine unternehmerische Wertschöpfung und auch kein geschütztes Eigentumsrecht. Es gibt nur Machtfragen, Raub und Gegenraub, und den Wohlstand schafft ein Volkstribun, der den Rächer der Enterbten spielt. Mit Rechtsstaat hat das alles so wenig zu tun wie mit der Realität von Marktwirtschaft.
Selbstverständlich können ehrliche Unternehmer zugleich Milliardenwerte und Massenwohlstand schaffen - oder sind etwa auch die Aldi-Brüder und Bill Gates Verbrecher? Wer definiert eigentlich in Oskars Willkürwelt den "verfassungsgemäßen" Reichtum? Und wer entscheidet darüber, welche "gepflegte Dame" politisch noch akzeptabel ist?
Oskar Lafontaine denunziert die Rechts- und Wirtschaftsordnung dieses Landes mit kaltem Lächeln als illegitim und mafios. Er ist klug genug, um zu wissen, was er da tut. Und er ist skrupellos genug, es trotzdem zu tun.