FTD.de » Meinung » Kommentare » Lafontaines Willkürwelt

Merken   Drucken   16.09.2008, 20:26 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Lafontaines Willkürwelt  

Der Chef der Linkspartei denunziert die Wirtschafts- und Rechtsordnung dieses Landes mal eben als illegitim und mafios. Er ist klug genug, um zu wissen, was er da tut - und er ist skrupellos genug, um es trotzdem zu tun.
"Hinter jedem großen Vermögen steckt ein Verbrechen" - dieser Satz wird dem Dichter Honoré de Balzac zugeschrieben, Mario Puzo hat ihn seinem Mafiaroman "Der Pate" vorangestellt. Oskar Lafontaine  erhebt ihn jetzt zum Leitmotiv seiner Wirtschaftspolitik.
Es sei doch gar nicht möglich, dass "eine gepflegte Dame und ihr Sohn" allein 10 Mrd. Euro erarbeiten, befindet der Chef der Linkspartei beim Blick auf die Unternehmerfamilie Schaeffler, die kürzlich den Dax-Konzern Continental übernommen hat. Solcher Reichtum sei "verfassungswidrig". Er gehöre konfisziert, schließlich sei er zuvor den Arbeitern per "Enteignung" geraubt worden.
Es ist müßig, solche Polemik mit ernsthafter Juristerei zu beantworten. Viel wichtiger ist, was sie über Weltbild und Methoden eines Mannes verrät, der seit Monaten seine alte Partei SPD vor sich hertreibt und der wieder Ministerpräsident im Saarland werden will.
In der Wirtschaft à la Lafontaine gibt es keine unternehmerische Wertschöpfung und auch kein geschütztes Eigentumsrecht. Es gibt nur Machtfragen, Raub und Gegenraub, und den Wohlstand schafft ein Volkstribun, der den Rächer der Enterbten spielt. Mit Rechtsstaat hat das alles so wenig zu tun wie mit der Realität von Marktwirtschaft.
Selbstverständlich können ehrliche Unternehmer zugleich Milliardenwerte und Massenwohlstand schaffen - oder sind etwa auch die Aldi-Brüder und Bill Gates Verbrecher? Wer definiert eigentlich in Oskars Willkürwelt den "verfassungsgemäßen" Reichtum? Und wer entscheidet darüber, welche "gepflegte Dame" politisch noch akzeptabel ist?
Oskar Lafontaine denunziert die Rechts- und Wirtschaftsordnung dieses Landes mit kaltem Lächeln als illegitim und mafios. Er ist klug genug, um zu wissen, was er da tut. Und er ist skrupellos genug, es trotzdem zu tun.
  • Aus der FTD vom 17.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
  24.06.2009 Pressestimmen "Beim Thema Afghanistan Tacheles reden"  
Pressestimmen: "Beim Thema Afghanistan Tacheles reden"

Der Tod dreier Soldaten im Kundus gibt Anlass zu neuen Diskussionen über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Verteidigungsmininister Jung will nicht von Krieg sprechen. Die Kommentatoren der deutschen Tageszeitungen fordern klare Stellungnahmen der Politik. mehr

FTD-Debatte

zur FTD-Debatte

 



Die FTD-Personendatenbank
 


  12:45 Schießereien rivalisierender Syrer im Libanon
Politik: Schießereien rivalisierender Syrer im Libanon (00:01:05)

Anhänger und Gegner von Syriens Präsident Assad liefern sich heftige Feuergefechte in der Hafenstadt Tripoli. Unterdessen verstärkten Assads Truppen laut Opposition am Samstag ihre Angriffe auf die syrische Protesthochburg Homs. mehr

Mehr zu: HOMS, Libanon, Syrien

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote