Überall im Lande herrscht Einigkeit, dass die Arbeitnehmer dran sind, die SPD macht sich sogar mit ihren Bundesministern für den kräftigen Schluck aus der Lohnpulle stark. Dass die Arbeitgeber - wie üblich - jammernd zur Enthaltsamkeit raten, ist - wie üblich - nicht besonders glaubwürdig, weil sie ja die Getränkerechnung zahlen sollen.
In diese politisch rundum aufgekratzte Stimmung ist jetzt allerdings einer von draußen hineingeplatzt, den viele schon vergessen hatten, der das Fest aber böse stören kann. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat ziemlich klar gesagt, dass er und seine Kollegen jeden preistreibenden Lohndruck in Europa mit höheren Zinsen kontern werden. Ganz getreu dem alten Motto, dass es der Job des Notenbankers ist, den Punsch wegzuräumen, bevor eine Party außer Rand und Band gerät.
Das heißt nun nicht, dass in den anstehenden Tarifrunden überhaupt nichts getrunken werden soll. Aber es bedeutet, dass die EZB genau verfolgt, ob der durch Produktivitätsfortschritte begrenzte Verteilungsspielraum respektiert wird. Wird er aus Sicht der Notenbank überschritten, dann sieht sie Inflationsgefahr, der begegnet werden muss.
Trichets Warnung mag viele ärgern, zumal es in der Weltwirtschaft dieser Tage auch noch ein paar andere große Probleme gibt. Ignorieren sollte sie aber keiner. Konflikte zwischen Lohn- und Geldpolitik haben schon manchen Aufschwung abgewürgt. Und am längsten Hebel sitzt immer die Notenbank.