Seit Tagen macht
Löscher mit provokanten Sprüchen über sein Personal Schlagzeilen. Ein Programm zum Abbau von weltweit 17.000 Stellen, das am Freitag bekannt wurde, setzt das spektakulärste Ausrufezeichen.
Wenn diese Offensive der Auftakt zu einer Phase zwei der Ära Löscher sein soll, dann ist sie bemerkenswert brachial und ungeschickt.
Die Phase eins stand für Löscher notgedrungen im Zeichen des Korruptionsskandals und der Aufräum- und Umbauarbeiten im Hause
Siemens . Dass da eine ganze Unternehmenskultur gründlich durchgelüftet werden musste, war unabweisbar. Dass dazu auch Personalwechsel gehören, versteht sich von selbst. Löscher, der als Unternehmensfremder aus den fernen USA geholt wurde, verkörpert selbst diesen Bruch.
"Lehmschicht" und zu viele "weiße, deutsche Männer"
Mit harschen Sprüchen attackiert er nun aber die Führungsriege, die er selbst in den vergangenen zwölf Monaten neu aufgestellt hat. Das muss nicht nur die Betroffenen irritieren.
Wer eine "Lehmschicht" und zu viele "weiße, deutsche Männer" im eigenen Haus geißelt, wer die deutsche Mitbestimmung lobt, aber zugleich nostalgisch vom US-Management spricht, und wer mit dem Betriebsrat über Jobabbau erst redet, nachdem die Sache schon öffentlich ist, der sucht erkennbar die Konfrontation. Der Feuerwehrmann gibt sich plötzlich als Zerstörer.
Welchem Ziel dieser aggressive Ton dienen soll, ist unklar. Tritt er grundlos so auf, muss Löscher sich Fragen nach seiner Eignung gefallen lassen. Hat er tiefere Gründe, sollte er die benennen. Statt Anlass für neue Spekulationen über die Lage bei Siemens zu geben.