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Merken   Drucken   25.06.2008, 20:23 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Löscher setzt falsche Signale  

Siemens ist ihm zu "weiß, deutsch und männlich". Zwar hat Siemens-Chef Peter Löscher zum Teil recht mit seiner Kritik - könnte seine Mannschaft mit solchen Aussagen jedoch demotivieren.
Wenn über die Qualitäten von Peter Löscher gesprochen wird, fallen schnell Worte wie "internationale Erfahrung" oder "globales Renommee". Die Biografie des Siemens-Vorstandschefs liest sich dann auch wie eine Kurztour durch den Weltatlas: Nach München kam er direkt aus einem Führungsjob bei Merck in den USA. Topmanager brauchen internationale Erfahrung - der Pass ist Nebensache.
Vorher arbeitete Löscher für Unternehmen in Spanien, Großbritannien und Japan. Studiert hat der gebürtige Österreicher übrigens in Wien, Hongkong und Harvard. Kein Wunder, dass gerade Löscher die überwiegend deutsche Führungsmannschaft in der Siemens-Zentrale reichlich provinziell erscheint.
Siemens  ist ihm zu "weiß, deutsch und männlich" - das ist eine hübsche Zuspitzung. Doch beim Thema "Diversity" ist es wichtig zu unterscheiden: Zum einen stellt sich eine gesellschaftspolitische Frage, bei der es sich nicht nur um Ausländerquoten dreht, sondern auch darum, dass bislang kein Dax-Unternehmen von einer Frau geführt wird oder in deutschen Vorstandsetagen kaum ein (bekennender) Schwuler anzutreffen ist. Zum anderen geht es schlicht darum, ob und wie eine bessere Durchmischung der Kulturen und der Geschlechter das Unternehmen voranbringt. Das ist eine äußerst wirtschaftliche Frage, auch und gerade weil Siemens ein Weltkonzern ist und kein Stadtteilprojekt zur Integration.
Deutschland besser als sein Chef
Natürlich ist es aus unternehmerischer Sicht wünschenswert, dass - wie es Löscher fordert - ein richtig guter Chinese das Chinageschäft führt. Doch zuvörderst brauchen Konzerne Führungskräfte, die global denken und internationale Managementerfahrungen mitbringen. Sie müssen "ihre" Regionen kennen und einschätzen können. Der entsprechende Pass besitzt dann eher Symbolkraft: Guck mal, mein Vorstand ist internationaler.
In puncto internationaler Besetzung sind die deutschen Unternehmen im Übrigen besser als ihr Ruf. Letztes Jahr besaßen rund ein Viertel aller Dax-Vorstände einen nicht-deutschen Pass.

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