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Merken   Drucken   28.04.2008, 19:43 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Mars/Wrigley - Das Imperium an der Kasse  

In Frankreich arbeitet die Gesundheitsministerin schon daran, dass bald alle verführerischen Süßwaren aus dem Kassenbereich der Supermärkte verschwinden. Die Fusion der Quengelwaren-Hersteller könnte weltweit die Kartellwächter auf den Plan rufen.
Der sogenannten Impuls- oder Quengelware soll von Amts wegen der Garaus gemacht werden. Überall sonst wird dieses lukrative Feld aber in Zukunft von einem neuen Riesen beherrscht. Mit dem Kauf der Kaugummilegende Wrigley durch den Schokoriegelkonzern Mars - finanziert vom Investor Warren Buffett - entsteht ein neues Imperium des Süßen, das beträchtliche Marktmacht entfalten wird.
Sowohl Wrigley als auch Mars sind außerordentlich erfolgreiche Familienunternehmen, die aber an die Grenzen ihres Geschäftsmodells stoßen: Mars gerät mit seinen Produkten zunehmend in die Schusslinie von Gesundheits- und Verbraucherpolitikern; Wrigley ist auf einigen Märkten bereits so dominant, dass weiteres Wachstum schwerfällt. Reibereien in der Eigentümerfamilie führten schließlich dazu, dass Wrigley sich auf die Übernahme einließ.
Die strategischen Probleme der beiden Unternehmen werden auch durch den Deal nicht gelöst. Allerdings erhält Mars nun Zugang zu einem größeren Vertriebsnetz. Und zugleich ein Markenportfolio, das in der Branche seinesgleichen sucht. Kaum ein Händler kann es sich leisten, die Riegel und Kaugummis, deren Namen zum Teil für ganze Produktgattungen stehen, nicht im Sortiment zu führen. Das gibt Mars/Wrigley eine Verhandlungsmacht über Preise und Produktplatzierungen, die auch Kartellwächter interessieren muss.
Buffett freute sich am Montag über großartige Wachstumsaussichten: "Die Leute essen täglich mehr von diesen Produkten." Wenn er Pech hat, sehen allerdings noch mehr Gesundheitspolitiker genau darin ein Problem.
  • Aus der FTD vom 29.04.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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