Noch nachdrücklicher als Merkel erinnerte Israel Abbas an dessen Verantwortung für den Friedensprozess. Bei beiden spielt wohl zu einem großen Teil Zweckoptimismus mit. Nach dem Wahlsieg der fundamental-islamischen Hamas erscheinen Abbas' Fatah und vor allem der Präsident selbst fast schon als Garanten für den Nahost-Friedensprozess. Wie wackelig diese Säule ist, auf der die internationalen Hoffnungen ruhen, ließ sich allerdings schon in den vergangenen Monaten beobachten.
Abbas, heißt es, will den Ausgleich mit Israel. Doch ist es ihm trotz aller Appelle an die eigenen Leute und tatsächlicher Anstrengungen schon vor der Wahl nicht gelungen, die palästinensischen Kämpfer unter Kontrolle zu bringen und die Sicherheitslage im Gazastreifen nach dem Abzug der Israelis zu verbessern. Seit der Wahlniederlage herrschen in seiner Fatah Frustration über die Führung und Chaos; es sind bereits gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Fatah-Mitgliedern und Hamas-Anhängern ausgebrochen. Ob Abbas angesichts dieser Situation weiterhin die Macht und den Einfluss hat, die ihm der israelische Präsident Mosche Katzav zurechnet, ist fraglich.
Einen anderen, verlässlicheren Partner aber gibt es derzeit nicht. Deswegen können Israel und seine internationalen Partner im Moment nur darauf vertrauen, dass Abbas halten kann, was er verspricht: im Amt zu bleiben und sich weiter für den Frieden einzusetzen.