Sie scheut persönliche Fernsehduelle, eine amerikanische Wahlkampfspezialität, die wie einst Coca-Cola und McDonald's längst nach Europa und Deutschland übergeschwappt ist.
Nur "ein Duell oder keines" hat Merkel in Person ihres Unterhändlers Willi Hausmann dem noch amtierenden Medienkanzler ausrichten lassen, der zwei Spitzenrunden möchte. Dieses "Basta" aus dem Konrad-Adenauer-Haus sitzt - wenn es denn nicht Feigheit vor dem Feind ist, die die Kandidatin keinen weiteren Termin im Kalender finden lässt. Denn während Schröder in den Worten von Merkels Vizekanzler-in-spe Guido Westerwelle ein "internationaler Meister im Flirt mit den Kameras" ist, zeigt die Frau ihm gegenüber in dieser Disziplin Schwächen. So verstolperte sie ihre wichtige Rede im Bundestag zur Vertrauensfrage grandios.
Dennoch wäre es ein Fehler, sich vor gemeinsamen Auftritten so weit wie möglich zu drücken. Wahlkämpfe sind nun einmal auch Personenentscheidungen, und für viele Deutsche ist Merkel ein noch ziemlich unbekanntes Wesen. Nicht ausgeschlossen ist zudem, dass sie am Ende punkten könnte. An den erklärten Favoriten legen viele Zuschauer besonders hohe Maßstäbe an, die vorgegebene Siegerrolle kann da leicht zum Stolperstein werden. So ließ der vermeintlich steife und untelegene Präsidentschaftskandidat John Kerry Amtsinhaber George W. Bush alt aussehen. Die Wahl gewann er trotzdem nicht.