Nach drei Jahren als Kanzlerpartei, mit kräftigem Wirtschaftswachstum und neuem internationalen Prestige, bleiben die Konservativen inzwischen sogar unter jenen 35,2 Prozent, die Angela Merkel 2005 fast den politischen Kopf gekostet hätten.
Paradoxerweise dürfte die Partei aus dieser Krise nur herauskommen, wenn sie in Kauf nimmt, dass die strahlenden persönlichen Popularitätswerte der Kanzlerin ein wenig Schaden nehmen.
In der Union werden die miserablen Umfragen derzeit vor allem der Großen Koalition angelastet. Für die weithin sichtbare Handlungsunfähigkeit dieser Regierung machen die Bürger eben Schwarz und Rot gleichermaßen verantwortlich. Zudem erzwingt die Koalitionsräson immer wieder Kompromisse, die das eigene Profil schwächen. Ist der Wahlkampf erst eröffnet, dann kann man auch wieder richtig punkten, so hoffen viele Unionsstrategen.
Für die persönliche Popularität der Kanzlerin gilt aber genau das Umgekehrte: Angela Merkel profitiert von der Großen Koalition, weil sie mit ihrem eher präsidialen Stil über dem kleinlichen Lagerstreit zu schweben scheint. Im Volk hat ihr das parteiübergreifend hohe Beliebtheit verschafft.
Wenn die Union im Wahlkampf profiliert angreifen will - zum Beispiel mit einem klaren Plädoyer für die Kernkraft - dann wird auch die CDU-Vorsitzende und Kanzlerin mehr Angriffsfläche bieten müssen. Die Umwandlung des Merkelschen Kanzlerbonus in zusätzliche Stimmen für ihre Partei dürfte zum politischen Drahtseilakt werden.