Die globalen Finanzmärkte hätten sich zu einem "Monster" entwickelt, hat der erste Mann im Staate festgestellt - und diese Bestie gehöre in die Schranken gewiesen.
Doch anders als bei
Müntefering , dem Industriekaufmann, Sozialdemokraten und IG-Metall-Mitglied, klingt die Polemik bei Köhler nicht nur unglaubwürdig, sondern geradezu absurd. Horst Köhler ist ein ausgesprochener Insider des Finanzsystems, vor seiner Zeit im Schloss Bellevue war er oberster Lobbyist der deutschen Sparkassen und Chef des Internationalen Währungsfonds. In beiden Funktionen ist Köhler alles andere als durch ausgeprägte Marktskepsis aufgefallen - auch das qualifizierte ihn 2004 als Kandidat für das Bundespräsidentenamt der damals noch wirtschaftsliberal orientierten CDU-Chefin Angela Merkel.
Köhlers Schwenk legt einen simplen Schluss nahe: Mit seiner Rhetorik à la Müntefering erhofft sich der Präsident neue Freunde in der SPD, auf deren Stimmen in der Bundesversammlung er für eine zweite Amtszeit angewiesen ist. Für viele Sozialdemokraten, vor allem in der Parteilinken, ist Köhler immer noch ein Neoliberaler, den es aus dem Präsidialamt zu vertreiben gilt - weshalb sie auch darauf dringen, einen Gegenkandidaten ins Rennen zu schicken.
Die plumpe Anbiederung an die SPD ist ein deutliches Zeichen dafür, wie schwach Köhler inzwischen ist. Angetreten als Staatschef, der sich als unbequemer Mahner versteht, muss er ein Jahr vor Ende seiner Amtszeit schon zu drastischen Worten greifen, um in der Öffentlichkeit überhaupt wahrgenommen zu werden.