Das Nahrungsmittelangebot bleibt seit einiger Zeit deutlich hinter der weltweiten Nachfrage zurück. Die boomt wegen des gestiegenen Wohlstands in vielen Schwellenländern, aber auch, weil die entwickelten Länder die Äcker als Sprittankstelle entdeckt haben.
Und während die Verbraucher in den reichen Ländern über Preissprünge im Supermarkt schimpfen, ist das tägliche Brot für die Ärmsten der Armen teilweise schon unbezahlbar geworden. Hungerrevolten von Haiti bis Ägypten schieben das Thema auf die internationale Agenda.
Die Politik muss nun klar zwischen kurzfristigen Nothilfen und langfristigen Strategien unterscheiden.
Kurzfristig ist das Gesamtangebot an Grundnahrungsmitteln kaum zu steigern. Einige Ernten fielen zuletzt wetterbedingt mager aus, viele Speicher sind leer, weil die Regierungen ihre Vorratshaltung reduziert haben. Millionen von Menschen, die vom Hunger bedroht sind, brauchen deshalb schnelle und gezielte Hilfe: Transfers aus den reichen Ländern, mit denen sie überlebensnotwendige Nahrungsmittel trotz gestiegener Preise kaufen können.
Alle Versuche, die Preise durch staatliche Interventionen künstlich herunterzudrücken, sind aber kontraproduktiv. Denn auf längere Sicht geht von der aktuellen Hausse ein enorm wichtiges Signal aus: Mit Nahrungsmitteln lässt sich gutes Geld verdienen. Es lohnt sich also, die landwirtschaftliche Produktion auszuweiten, indem zusätzliche Flächen bewirtschaftet und produktivere Techniken eingesetzt werden.
Eine wachsende Weltbevölkerung, deren Wohlstand tendenziell steigt, wird in den kommenden Jahrzehnten immer mehr Nahrungsmittel benötigen. Die Politik kann dazu schon einen wichtigen Beitrag leisten, wenn sie selbst gesetzte Fehlanreize beseitigt.
So war die Agrarpolitik der EU über viele Jahre darauf angelegt, landwirtschaftliche Produktion zu begrenzen. Es ist überfällig, dass jetzt von Milchquoten und Flächenstilllegungsprogrammen Abschied genommen wird. Gleiches gilt für die Subventionierung von Agrarsprit, die in den USA noch viel größere Ausmaße erreicht: Staatlich gefördert wandern dort heute schon rund 30 Prozent der Maisproduktion in Autotanks.
Hier und jetzt nützen solche Reformen nur wenig. Die Welternährungsorganisation FAO fürchtet, dass die Weltgetreidevorräte bald auf den tiefsten Stand seit 25 Jahren fallen werden, neue Missernten würden die Lage noch verschärfen. Nothilfe für die Armen ist deshalb zwingend erforderlich. Langfristig hilft aber nur eine Steigerung der Produktion. Und für die sorgen hohe Preise.