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Merken   Drucken   18.11.2008, 21:29 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Ökostrom - Sorgen um Mamas Liebling  

Die Kreditklemme trifft mit den erneuerbaren Energien die deutsche Zukunftsbranche schlechthin. Der Spielraum der Politik aber ist begrenzt.
Einige Wochen lang erschien eine Kreditklemme in Deutschland als abstraktes Phänomen, dessen Tragweite schwer einzuschätzen war. Nun aber ist das Problem innerhalb weniger Tage konkret geworden. Zuerst ergriff den Autokonzern #Opel# die Furcht, langfristige Projekte nicht mehr finanzieren zu können. Und nun trifft es mit den Investoren in Ökostromprojekte ausgerechnet jene Branche, die als wichtigster Motor für zukünftiges Wachstum gilt.
Die Bundesregierung reagiert in beiden Fällen mit großer Betriebsamkeit. Opel dürfte eine Bürgschaft bekommen, und die Ökostromer sollen im Umweltministerium bei einem Krisengipfel mit den Banken zusammengeführt werden.
Die bittere Wahrheit aber ist: Der Spielraum dessen, was die Politik für die Branche tun kann, ist begrenzt. Natürlich kann Bundesumweltminister Sigmar Gabriel Banken und Projektentwickler zusammenbringen und um Vertrauen und Kredite werben. Da es sich um eine Zukunftsbranche handelt, die über indirekte Subventionen bereits stark gefördert wurde, muss er das sogar. Aber der Minister kann keine Bank zwingen, Kredite zu vergeben, wenn ihr dies derzeit zu riskant erscheint.
Der Ausbau erneuerbarer Energien kommt in Deutschland trotz allem nicht zum Erliegen, auch weil die großen Versorger ihre Vorhaben aus eigener Tasche finanzieren können. Die Gefahr aber ist groß, dass sie so ihr Oligopol auf diesen Energiezweig ausweiten.
Langfristig werden auch kleinere Projekte wieder Geldgeber finden, zumal feste Einspeisevergütungen für den Strom aus Wind, Sonne oder Biomasse Planungssicherheit geben. Es ist denkbar, dass nicht mehr alles finanziert wird, was einen grünen Aufkleber trägt. Eine genauere Auswahl aber kann der Branche auch nützen - indem die Spreu vom Weizen getrennt wird.
  • Aus der FTD vom 19.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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