Dabei dürfte für die langfristige Entwicklung des Ölpreises ein anderer Faktor viel entscheidender werden: wie sich die Preispolitik von Schwellenländern auf die Ölnachfrage auswirken wird.
Neben anderen asiatischen Staaten haben jetzt die weltwirtschaftlichen Schwergewichte China und Indien mit ihrer bisherigen Philosophie gebrochen und die staatlich festgelegten Spritpreise erhöht. Anstatt die Verbraucher von Ölpreisschwankungen weiterhin abzuschirmen, geben sie das Preissignal an die Bevölkerung weiter. Für die meisten Regierungen war dieser politisch riskante Schritt unumgänglich. Die Bevölkerung weiter zum Billigtarif Auto fahren zu lassen und die Differenz zum Weltmarktpreis auszugleichen bedeutet angesichts des aktuellen Ölpreises fiskalischen Selbstmord.
Wie stark sich das Umdenken in Asien im Ölpreis widerspiegelt, hängt von den Reaktionen der asiatischen Verbraucher ab. Grundsätzlich haben Preisveränderungen beim Öl nur begrenzten Einfluss; Mobilität ist ein Gut, das die Bevölkerung überall enorm hoch schätzt. Ganz unempfindlich gegen höhere Preise ist aber nicht einmal der größte Ölverbraucher der Welt: Seit Januar schränken sich die US-Amerikaner ein - zum ersten Mal seit 17 Jahren.
Egal, wie hoch der Anteil purer Spekulation am Ölpreis derzeit ist: Der Wette liegt die Annahme zugrunde, dass die Ölnachfrage das Angebot dauerhaft übersteigt. Sollte die Nachfrage aus Asien einbrechen, dürften sich auch Spekulanten fragen, ob der Ölpreis wirklich nur noch eine Richtung kennt.