Stell dir vor, es ist Krieg - und der Ölpreis zuckt nur müde. Wie sehr sich die Grundstimmung an den Rohstoffmärkten gedreht hat, lässt sich an den bisherigen Reaktionen auf die Krise in Georgien erkennen:
Rohöl verteuerte sich am Montag zwar ein wenig, die Bewegung blieb aber im Rahmen einer technischen Korrektur nach dem steilen Preisverfall der vergangenen Wochen.
Würde der Markt nach Argumenten für steigende Preise gieren, dann hätten die Kämpfe im Kaukasus die Notierungen sofort nach oben katapultiert. Immerhin soll Russland auch in Richtung der Pipeline geschossen haben, die Öl aus Aserbaidschan via Georgien zum türkischen Hafen Ceyhan transportiert.
Diese Pipeline ist zwar ohnehin vorübergehend außer Betrieb, weil es auf türkischer Seite bereits vor einigen Tagen gebrannt hat. Dass diese Störung erst jetzt richtig bekannt wird, zeigt aber erneut, wie sehr die Bären mit ihrer Erwartung weiter fallender Preise die Marktstimmung prägen. Während der wilden Ölhausse in der ersten Jahreshälfte sorgten schon kleinste Meldungen über Unruhen in Nigeria oder Pannen in Venezuela für heftige Preisreaktionen.
Das alles überragende Thema an den Rohstoffmärkten ist inzwischen die weltwirtschaftliche Abkühlung, die die Nachfrage nach Energie und anderen Ressourcen dämpft. Hinzu kommt, dass sich der Dollar stabilisiert hat. Die Schwäche der US-Währung hatte im Frühjahr zunehmend auch die Ölexporteure beunruhigt, die in Dollar bezahlt werden. Dollar-Verfall und Ölpreisanstieg gingen Hand in Hand.
Weitet sich die Kaukasuskrise aus und geraten Öllieferungen ernsthaft in Gefahr, dann wird das auch an den Ölmärkten nicht spurlos vorübergehen. Die verhaltene erste Preisreaktion zeigt aber, dass der Abwärtstrend der vergangenen Wochen ziemlich robust ist.