In den Träumen von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee und der SPD läuft die Opel-Rettung so ab: Da kommt ein freundlicher Investor daher, pumpt reichlich Milliarden in den angeschlagenen Autobauer und interessiert sich dann nicht mehr dafür, was aus seinem Geld wird. Kein Werk wird geschlossen, kein einziger Arbeitsplatz geht verloren, aber das ist dem Geldgeber egal, weil Opel ja eine tolle Marke ist.
Wenn die Träumer aufwachen, werden sie jedoch feststellen müssen: In der Realität kann es einen solchen Sponsor nicht geben, jedenfalls keinen aus der Privatwirtschaft. Gegen die ökonomische Vernunft auf eine dringend notwendige Sanierung zu verzichten, kann sich im Fall eines Einstiegs bei der General-Motors-Tochter kein Unternehmen der Welt erlauben - auch nicht der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna, der bei den Sozialdemokraten und ihrem Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier jetzt als Lieblingsretter für Opel hoch im Kurs steht.
Es mag zwar sein, dass für die Beschäftigten ein Einstieg
Magna s mit weniger tiefen Einschnitten verbunden wäre, als wenn Opels Konkurrent
Fiat zum Zuge käme. Schon allein weil der Zulieferer keine Autos unter seiner eigenen Marke baut, kann es keine großen Überschneidungen mit Opels Modellpalette geben, wie es bei Fiat der Fall wäre. Nur darf niemand glauben, dass Magna völlig darauf verzichten würde, den Konzern zu sanieren. Erst im März hat das GM-Management die Überkapazitäten bei Opel und seiner britischen Schwester Vauxhall auf 30 Prozent beziffert.
Die Bedingung von SPD-Verkehrsminister Tiefensee, dass sich als Partner für Opel disqualifiziert, wer Werke schließen und Jobs in Deutschland streichen will, ist daher bestenfalls naiv. Im schlimmsten Fall ist sie die nicht einmal geschickt versteckte Absage an eine privatwirtschaftliche Lösung, weil sie seriös nicht zu erfüllen ist.
Sollte diese rigide Vorgabe letztlich die Linie der gesamten Bundesregierung sein - die Linie der SPD und die von Hessens CDU-Ministerpräsidenten
Roland Koch ist sie jetzt schon -, dann können sich alle potenziellen Investoren die Fahrt zu Verhandlungen nach Berlin gleich sparen. Auf ein "zukunftsfähiges Konzept", das faktisch nichts anderes enthalten soll als die Zusage, dass an den deutschen Opel-Standorten alles beim Alten bleibt, wird die Regierung lange warten. Eine Sanierung ohne Einschnitte kann es nicht geben.