Es wäre schon eine historische Ironie, wenn demnächst ausgerechnet
Fiat -Chef
Sergio Marchionne bei Opel zuschlagen sollte. Derselbe Marchionne wetterte schließlich bislang von allen Automanagern am lautesten gegen staatliche Rettungsaktionen für einzelne Konzerne. Und nahm dabei ausdrücklich Bezug auf Opel. Sollte der Fiat-Chef bei der Rüsselsheimer Tochter von
General Motors (GM) einsteigen, wird er sich dieses Abenteuer mit großer Wahrscheinlichkeit durch Bürgschaften aus Berlin absichern lassen.
Pikant wäre ein Einstieg von Fiat auch deshalb, weil kaum ein Autokonzern in Europa so häufig von seiner Regierung gerettet worden ist wie die Italiener. Ohne Finanzhilfen aus Rom wäre Fiat schon längst vor die Wand gefahren. Wenn ein derart mit Steuergeld gemästetes Unternehmen einen direkten Konkurrenten schluckt, wird sich manch einer fragen, warum Deutschland noch den ordnungspolitischen Saubermann geben soll - statt Opel und seine Mitarbeiter durch eine direkte Beteiligung des Bundes zu schützen.
Und dennoch wäre eine Fusion mit den Italienern deutlich besser als ein VEB Opel. Natürlich würde der Fiat-Deal viele Arbeitsplätze in Deutschland kosten, Werksschließungen inklusive. Wahrscheinlich ist auch, dass von der Traditionsmarke mit den Jahren nicht viel mehr übrig bliebe als einige Modelle mit Opel-Logo auf Fiat-Plattformen. Nur durch Synergien bei Plattformen und Komponenten könnte der hoch verschuldete Konzern aus Turin Kostenvorteile erzielen.
Das alles ist bitter für die Opelaner. Der Versuch des Gesamtbetriebsrats, eine Fusion mit Fiat zu hintertreiben, gründet jedoch auf einer Illusion. Jeder Investor - egal ob Fiat, der Autozulieferer Magna, chinesische Staatsfonds oder Private-Equity-Unternehmen - wird nicht um harte Schnitte bei der GM-Tochter herumkommen. Opel ist eben kein gesundes Unternehmen, das allein aufgrund der Probleme seiner Mutter in den USA in Not geraten ist. Es ist ein Sanierungsfall.
Der einzige Investor, der es sich vielleicht leisten kann, bei Opel alles beim Alten zu lassen und an Überkapazitäten festzuhalten, ist der Staat. Aber nicht, weil er die besseren Ideen hat. Sondern weil er die Milliarden für ein Engagement auf den Steuerzahler abwälzen kann. Wenn es Interessenten für eine industrielle Lösung gibt, verbietet sich eine teure Rettung auf Kosten der Allgemeinheit. Auch wenn der Retter am Ende Marchionne heißt.