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  FTD-Serie: Bildungspolitik

Im deutschen Bildungssystem liegt vieles im Argen: marode Schulen, Unterrichtsausfall und zu wenig Hochschulabsolventen. Zugleich ist die Bildungslandschaft in Bewegung geraten. Eine Serie über eines der wichtigsten Zukunftsthemen der deutschen Politik.

Merken   Drucken   12.11.2006, 19:48 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Pisa-Studie - Rohstoff Wissen

Seit einigen Jahren ist Pisa ein Synonym für den kollektiven Bildungsrückstand, der deutsche Jugendliche im internationalen Vergleich auszeichnet. Mit lustvollem Defätismus stürzte sich das Land auf die Studie, die das relative Versagen der Schüler und der deutschen Schulsysteme dokumentiert.
Bald aber könnte der Bildungsnotstand für das ganze Land ausgerufen werden, nicht allein für die Schüler. Die OECD will in einer repräsentativen Erhebung das Wissen der gesamten Bevölkerung testen.
Das ist eine gute Idee. Nicht nur, weil dem Gefeixe über die angeblich verdummte Jugend die Grundlage entzogen würde, wenn sich herausstellt, dass Erwachsene bei den Pisa-Aufgaben nicht besser abschneiden. Sondern vor allem, weil damit klar würde, dass die Behebung von Bildungsdefiziten Aufgabe der gesamten Gesellschaft ist.
Bildung ist, so der Allgemeinplatz, der wertvollste Rohstoff Deutschlands. Bisher hat aber niemand nachgemessen, wie viel von dem Rohstoff da ist. Gut möglich, dass die OECD zu dem Ergebnis kommt, dass die Bestände geringer sind als angenommen - schließlich sind vor der Jugend von heute viele Generationen von einem Schulsystem geprägt worden, das die Ressource offensichtlich nicht gut fördert und verteilt.
Soll ganz Deutschland Pisa-getestet werden?

Diskutieren Sie mit!

Pisa für jedermann kann die nötige Debatte darüber auslösen, wie lebenslanges Lernen gesellschaftliche Realität werden soll. Denn es ist noch viel mühsamer, Defizite bei Erwachsenen zu korrigieren als bei Schülern. Schüler werden von einem System eingerahmt, das man ändern kann. Wo es kein System gibt, muss etwas ganz Neues aufgebaut werden.
In der Debatte müsste auch definiert werden, welche Bildung gewollt wird: Ist es Bildung nur im Sinn von Anwendungswissen für den Arbeitsmarkt, so braucht man zum Beispiel nicht mehr zu wissen, dass Pisa eine Stadt in Italien ist.
  • Aus der FTD vom 13.11.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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