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Merken   Drucken   14.06.2009, 18:39 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Porsche/VW - Fusionsspiel zurück auf Los  

Den Stuttgartern würde das Engagement des Emirats Katar eine Atempause verschaffen. Ob es dann doch zum Zusammenschluss zwischen den Autobauern kommt, ist völlig offen.
Wenn das Emirat Katar bei Porsche einsteigt, kann es den Sportwagenbauer um ein paar Milliarden Schulden erleichtern und dessen Chef Wendelin Wiedeking  eine Atempause verschaffen. Doch mehr auch nicht. Katars Scheich Hamad wird weder die Finanzierungsprobleme des Sportwagenbauers gänzlich beseitigen noch die Blockade im Fusionspoker zwischen den Autobauern Porsche und Volkswagen auflösen - im Gegenteil. Ungewiss ist nicht mehr nur, wer in einem VW -Porsche-Konzern das Sagen hätte, sondern auch, ob der jemals zustande kommt.
Es reicht nicht aus, dass beide Eigentümerfamilien eine Fusion prinzipiell wollen und das auch stets bekräftigen. Es muss ein Modell geben, mit dem alle Eigentümer leben können. Und danach sieht es derzeit weniger aus als zuvor.
Bisher waren, grob vereinfacht, drei Varianten für einen Zusammenschluss im Spiel: Porsche  kauft VW, VW kauft Porsche, oder beide fusionieren zu einem neuen Konzern. Da das VW-Gesetz, das Niedersachsen eine Sperrminorität sichert, bestehen bleibt, kann Porsche nicht gegen den Willen von Ministerpräsident Christian Wulff  die Kontrolle bei VW übernehmen. Der Einstieg eines weiteren Großaktionärs bei Porsche vereitelt aber auch den Gegenangriffsplan aus Wolfsburg nahezu.
VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und Vorstandschef Martin Winterkorn würden der Porsche Automobil Holding am liebsten deren Tochter Porsche AG abkaufen und sie als zehnte Marke in den VW-Konzern eingliedern. Solange Porsche unter seiner Schuldenlast zusammenzubrechen drohte, standen die Chancen nicht schlecht, dass Piëchs Plan aufgeht. Ohne einen Privatinvestor oder Staatshilfen (die äußerst unwahrscheinlich sind) wäre den Zuffenhausenern kaum etwas anderes übrig geblieben, als die Schulden mit dem Erlös aus einem Porsche-Verkauf zu tilgen.
Steigt Katar nun bei Porsche ein, verliert aber Piëch nicht nur sein stärkstes Druckmittel. Es sitzt dann neben den beiden Eigentümerfamilien auch noch ein Dritter mit am Tisch, der kein Interesse daran haben dürfte, jeden Deal zwischen den Clans abzunicken. Es ist schwer vorstellbar, dass Emir Hamad die Kontrolle über sein eben getätigtes Investment einfach vertrauensvoll in die Hände eines neuen Besitzers legen würde.
Das Gleiche gilt für das dritte Szenario: die gemeinsame Holding. Nur dass deren Gründung neben Katar auch Wulff zustimmen müsste - was er nur tun wird, wenn er auch im neuen Unternehmen eine Sperrminorität erhält. Automatisch hätte das Land sie nicht, da das VW-Gesetz für einen neuen Konzern nicht gilt. Und eine Aufstockung der Anteile hat Wulff ausgeschlossen.
Ist der Wille der Familienclans zur Fusion stark genug, lässt sich vielleicht über Deals und Zahlentricks am Ende ein neues Modell finden. Mit dem Einstieg eines weiteren Akteurs ist dieses Spiel aber noch komplizierter geworden. Ob man jemals über die Ziellinie kommt, ist wieder völlig offen.
19:43:16 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Volkswagen St. 127,2 EUR   -1,70%  -2.2
Porsche 47,135 EUR   -1,84%  -0.885
  • Aus der FTD vom 15.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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