Auf den ersten Blick scheint diese Reaktion der in den USA nach dem 11. September zu ähneln: Auch dort wurde CIA und FBI vorgeworfen, sie hätten im Kampf gegen den Terror versagt. Mit Russland will sich nun offenbar auch die zweite Großmacht des Kalten Krieges den neuen Gefahren anpassen - den Risiken asymmetrischer Konflikte.
Das Problem in Russland liegt jedoch tiefer. Polizei und Militär, aber auch der Geheimdienst FSB, dem Putin selbst entstammt, sind anfällig für Korruption. In den unteren Rängen wird schlecht bezahlt und schlecht ausgebildet. Zwischen den Spezialeinheiten des Innenministeriums, des FSB und des Militärs sind zudem die Kompetenzen nicht klar verteilt. In Beslan führten diese Mängel zu einem katastrophalen Einsatz. Sollte es stimmen, dass der Sturm auf die Schule eine Reaktion auf Explosionen im Gebäude war, dann waren die Einheiten auf eine spontane Aktion offenkundig nicht vorbereitet.
In den Sicherheitskorridor strömten ungehindert Angehörige der Geiseln und bewaffnete Zivilisten. Beim Verlassen des Gebäudes konnten sich Terroristen unter die Menge mischen. Bereits bei den Anschlägen auf zwei russische Flugzeuge Ende August hatte die Reaktion der Behörden Befremden ausgelöst. Der normale Flugverkehr wurde aufrechterhalten, ein Terrorakt tagelang ausgeschlossen.
Putin kennt die Probleme der Dienste wohl wie kein Zweiter. Meint er es mit der Reform ernst, dann liegt eine Menge Arbeit vor ihm.
Weitere Leitartikel zu den Themen "Energiepolitik: Gipfel der Wegschauer" und "Saarland-Wahl: Mehrheit und Minderheit" in der FTD-Ausgabe vom 07.09.2004.