Gerade einen Monat ist es her, dass die Politik die Rettung von Opel pompös inszeniert hat. Angesichts der eher mäßigen Akzeptanz von Staatshilfen in der Bevölkerung ist die Rettungseuphorie mittlerweile jedoch verschwunden. Fast schon verschämt kommentieren Politiker - sofern sie nicht aus Bayern kommen - die Entscheidung, den Versandhändler Quelle nach einigem Hin und Her vorerst doch noch vor dem Aus zu retten.
Dabei gibt es im Fall der insolventen Arcandor-Tochter deutlich weniger Anlass zur Scham als bei Opel. Zum einen ist das Risiko für den Steuerzahler geringer, weil der Massekredit des Bundes und der Länder Bayern und Sachsen in Höhe von 50 Mio. Euro solide besichert ist. Dagegen stehen Bund und Länder bei Opel mit 1,5 Mrd. Euro im Risiko, und es wird immer klarer, dass der geplante Deal zwischen der Opel-Mutter GM und dem von der Regierung bevorzugten Kaufinteressenten Magna wackelt.
Zum anderen muss der Massekredit für den Versandhändler im Gegensatz zur großzügigen Stütze für den Autobauer keine Wettbewerbsverzerrung darstellen. Wenn das Geld dafür verwendet wird, Quelle geordnet abzuwickeln, können auch glühende Anhänger ordnungspolitischer Grundsätze diesem Eingriff zustimmen.
Gefährlich wird es, wenn der Staatskredit als Beleg dafür herhalten muss, dass es in Fürth schon weitergehen wird. Selbst wenn Quelle jetzt kurzfristig wieder liquide ist, bleibt es doch dabei, dass der Versandhändler mit seinem überholten Geschäftsmodell keine Überlebenschance hat. Diese Ansicht wird auch in der Bundesregierung vertreten - und das nicht nur vom Wirtschaftsminister.
Es ist daher unredlich, wenn bayerische Landespolitiker so tun, als lasse sich das Unternehmen mithilfe des Staatskredits fit für die Zukunft machen. Und es ist unseriös, wenn Ministerpräsident Horst Seehofer ausgerechnet auf jene Berliner Minister einschlägt, die bei den Quelle-Mitarbeitern eben keine falschen Hoffnungen wecken wollen.