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Merken   Drucken   12.03.2007, 19:58 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Ratingagenturen - Ende mit Schrecken

Selten hat eine Ratingagentur in kurzer Zeit so heftig und so verdient Prügel bezogen wie die Agentur Moody's mit ihrem neuen Bewertungsansatz für Banken. Die Kritik war ohne Beispiel, am Ende blieb Moody's gar nichts anderes übrig, als den höchst peinlichen Rückzug anzutreten.

Sicher, Moody's Grundidee war schon richtig: Wichtige Banken wird der Staat im Zweifel immer vor dem Untergang retten. Das weiß man auch in Deutschland seit den Fast-Pleiten von Bankgesellschaft Berlin und Allgemeiner Hypothekenbank Rheinboden.

Aber verdient das gleich ein Spitzenrating? Rechtfertigt es die inflationäre und unterschiedslose Vergabe der Topnote "Aaa"? Sicher nicht. Für Witwen-und-Waisen-Papiere wie Bundesanleihen grenzt solche Gleichmacherei an Beleidigung. Wie man eine implizite Staatsgarantie quantitativ messen will, bleibt ohnehin Moody's Geheimnis.

Noch peinlicher ist, dass die Moody's-Manager offenbar das Gefühl dafür verloren haben, wie ihr Produkt genutzt wird: Ratings sind nicht nur Indikator dafür, ob man sein Geld zurückerhält. "Aaa" ist auch eine Chiffre für "niedrige Kursausschläge". Ratings zählen im Schönheitswettbewerb zwischen Banken, wenn es um das richtige Preisverhältnis zwischen zwei Anleihen geht.

Grotesk ist natürlich auch die überstürzte Korrektur. Die Agentur habe ihr Gesicht verloren, heißt es nun. Doch blamiert hatte sie sich längst vorher, der Rückzug war nur noch Schadensbegrenzung. Auch eine Adresse wie Moody's kann Emittenten auf Dauer kein Schönwetterrating andrehen, das kein Investor ernst nimmt. Gerade bei Bankenratings gibt es mit Fitch und DBRS kleine, aber namhafte Alternativen, der Wettbewerb funktioniert. Die Alternative zu dem Ende mit Schrecken wäre ein Schrecken ohne Ende gewesen.

  • Aus der FTD vom 13.03.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland
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