So soll ein Neuanfang aussehen: Wenige Wochen nach dem Beinahe-Crash des Münchner Immobilienfinanzierers
Hypo Real Estate übernehmen die Bundesregierung und ein Bankenkonsortium die Kontrolle und räumen im Aufsichtsrat kräftig auf. Gerade einmal drei Kontrolleure der Kapitalseite bleiben im Amt, gleich sieben neue Mitglieder ziehen in das Gremium ein.
Es kann gar keinen Zweifel daran geben, dass das Unternehmen einen radikalen Schnitt benötigt. Nicht nur die Konzernführung hat beim Risikomanagement der irischen Tochter Depfa eklatant versagt. Auch das Kontrollgremium ist mitverantwortlich für die Schieflage der Bank, die vom Bund und den privaten Banken mit 50 Mrd. Euro vor der Pleite bewahrt werden musste. Es wurde daher höchste Zeit, dass auch die Aufsichtsräte - ebenso wie der bereits vor Wochen zurückgetretene Chef
Georg Funke - die Konsequenzen ziehen.
Umso befremdlicher ist es allerdings, dass die Eigentümer des Instituts die Chance für einen bitter nötigen Neuanfang verschenkt haben. Statt die Gelegenheit zu nutzen, sich echten Sachverstand aus der Branche in den Aufsichtsrat zu holen, verhelfen sie gleich einer Reihe von Finanzpensionären zu einem Comeback. Zwar mag es sich dabei um klangvolle Namen handeln. Es sind aber Namen der Vergangenheit. Wer wie der neue Chefkontrolleur Michael Endres seit zehn Jahren aus dem Geschäft ist, ist für diesen Posten der falsche Mann - auch wenn er über noch so gute Kontakte in die Politik verfügt.
Es mag zutreffen, dass sich kaum ein noch aktiver Finanzmanager darum gerissen hat, einen Job bei dem taumelnden Finanzinstitut anzutreten. Dennoch bleibt ein verheerender Eindruck: dass eine Truppe Banker von vorgestern die Probleme von heute in den Griff bekommen soll.