Die Fronten werden mit jedem Vorstoß der Rebellen verworrener, und die Lage der Bevölkerung verschlimmert sich dramatisch. Haiti steht kurz davor, unregierbar zu werden. Der Friedensplan unter Federführung der USA kommt zur rechten Zeit. Er stößt zwar auf Ablehnung der Opposition, die sich mit einem Rücktritt Aristides in erst zwei Jahren nicht zufrieden gibt. Doch der Präsident ist gewählt, und so geht der internationale Vermittlungsversuch schon recht weit. Immerhin wird das Staatsoberhaupt teils entmachtet. Zudem ist bislang keineswegs klar, ob Aristide tatsächlich bis 2006 Präsident bleibt. Den Amerikanern wäre es durchaus recht, wenn er früher abtritt.
Für den Plan der Staatengemeinschaft spricht auch, dass sie erst Truppen nach Haiti schicken will, wenn sich die friedliche Opposition mit Aristide geeinigt hat. Das könnte den Vermittlern zwar als Halbherzigkeit angekreidet werden, wird die Akzeptanz eines internationalen Eingriffs aber stärken. Jetzt sind die demokratischen Kräfte in der Pflicht. Sie sollten sich ihrer Möglichkeiten zur Gestaltung bewusst sein - und ihrer Abhängigkeit von ausländischer Hilfe.
Eine stabile Demokratie ist in Haiti allerdings nur zu etablieren, wenn internationale Truppen für mehrere Jahre im Land bleiben. Erschöpft sich die Intervention in der Vorbereitung von Neuwahlen und der Entwaffnung der Rebellen, sind erneute Unruhen programmiert.
Weitere Leitartikel zu den Themen "Türkei: Botschaft für Erdogan" und "Tempolimit: Freie Fahrt" in der FTD-Ausgabe vom 23.02.2004.